Dienstag, 16. Dezember 2008

Alltag bedeutet wie alle Tage. Aber gibt es den Alltag wirklich. Auf eine merkwürdige Art ist kein Tag wie ein anderer und doch scheinen sie oft nur zu gleichförmig. Jeden Tag passieren viele Dinge - Kind krank oder gesund, Harfenvorspiel oder Karatetraining, Matheaufgaben oder Bastelei, Weihnachtseinkauf oder Praxischaos, Besuch bei meiner Mutter und Rollstuhldackel in Pflege. Auch die Arbeit in der Praxis ist oft ein Abenteuer oder regelrecht dramatisch und nicht vorhersehbar. Und obwohl all dies in den letzen zwei Tagen passierte scheint nichts zu passieren. Außer das ewige zeitstehlende Zählen der Tage bis zum Wochenende, bis zu den Ferien, bis zu besseren Zeiten, währenddessen man älter wird aber nicht weiser.
Das wundervolle Prinzip der arbeitsteiligen Gesellschaft stiehlt uns die Lebenszeit, indem es uns unfähig macht bewußt in der Gegenwart zu leben und das fabelhafte Bildungssystem stiehlt uns die Lebenszeit unserer Kinder. Wieviele Stunden und Tage sind der Erinnerung verschwunden und damit nie gelebt?

Gerade schlägt der nicht alltägliche Alltag wieder zu: Im Radio melden sie einen Ausbruch von Vogelgrippe in Niedersachsen - unsere Hühner haben ab sofort wieder Stallpflicht. Was der übliche Aktionismus der Politiker ist, Sinn und Verstand hat das natürlich nicht.

Freitag, 12. Dezember 2008

Auf meinem Kinn blüht ein Pickel und auf meiner Nase ein zweiter. Während ich Columbus massiere höre ich Jakos Frauchen mit tränenerstickter Stimme auf Band sprechen - ich möchte doch bitte mal zurückrufen. Keine 10 Minuten später spricht Frau Baer von der Grundschule drauf (ich habe gerade Bonnie auf dem Tisch): Lili hat sich in der Klasse erbrochen und sollte besser abgeholt werden.
Erst muß ich noch den Befund von Alyssa machen dann rase ich in Arbeitsklamotten zur Schule um beide Kids abzuholen. Das Lilis Klasse jetzt eigentlich ihr Weihnachtsmusical aufführen wollte fällt mir erst auf, als sie es mir sagt. Gut dass ich so verschwitzt und in den Klamotten voller Hundehaare jetzt nur zum Kinderarzt muss. Der nimmt sich viel Zeit (es bleibt ihm auch kaum was anderes übrig, denn Lili stellt ca 200 Fragen und erzählt detailliert und sehr präzise wie ihr allererstes Erbrechen abgelaufen ist), diagnostiziert wie erwartet einen Virus, mißt 39,9 Fieber und gibt mir ein Rezept.
Habe natürlich das Portemonnaie vergessen. Schnell die Kinder zu Hause abgesetzt und Lili unter eine höchstens lauwarme Dusche geschickt. Vorher noch schnell die Vorprüfung (heute) zur Karateprüfung (morgen) abgesagt. Zur Apotheke gefahren und zurück - Lili hat das Wasser viel zu warm gemacht, hatte keine Lust sich die Haare zu waschen (stinken aber!) und steht mit Schüttelfrost tropfend da. Dusche kühler gestellt, Haare waschen befohlen. Danach Fiebersaft und Zäpfchen gegen Erbrechen verabreicht, dazwischen dem Dackel die Blase ausgedrückt und in den Rolli gesetzt und für Fabi und Guido die letzen Minipizzen aus dem Tiefkühler geholt.Lili mit Scarlett, Fencheltee und Zwieback aufs Sofa, Fabi (stark erkältet) mit Lindenblütentee daneben.
Göga kommt nach Hause, isst die Pizza, bewegt den Dackel und fährt mehr zu Essen holen. Dann sagt er die Teilnahme am Klassenfest ab, während Lili (ziemlich fidel) am Recher emails verschickt, in denen sie ihr erstes Erbrechen sorgfältig dokumentiert.
Währenddessen rufe ich Jakos Herrchen an, der mir erzählt dass die HausTÄ Jako einschläfern möchte (das ist wirklich eine tolle Idee, wo sie noch nicht mal eine Diagnose gestellt hat). Ich rede mir den Mund fusselig und versuche noch eine Abklärung im CT bei Grußendorf zu erreichen - aber als ich auflege habe ich das fatale Gefühl, dass es für den hübschen Kerl zu spät ist.
Während Lili berichtet dass sie die Mathearbeit in der zweiten Stunde wohl verhauen hat versuche ich mich zu erholen. Inzwischen ist es 16 Uhr und ich muss die Praxis noch putzen und wieder anfangen.
Raja kommt zu früh, Jerry hat schlechte Laune, Balou schicke ich wegen Fieber nach Hause und Laras Frauchen hat zum ersten Mal nichts zum Essen für mich mitgebracht. Inzwischen schwitze ich so, dass ich sicher bin auch krank zu werden. Dann nur noch Josy, die mit einer neuen mittelgradigen Lahmheit glänzt. Also ab zu Steffen zum Röntgen mit Verdacht auf Kreuzbandriss.

Montag, 1. Dezember 2008

Jungs sind nicht meine Welt. Ich glaube ein Mädchen erzieht man als Frau aus dem Instinkt heraus. Und bei aller Zickerei und Nerverei - ich verstehe Lili immer auch wenn sie mich wütend macht. Jungs verstehe ich oft nicht mal, wenn sie friedlich zu zweit im Nebenzimmer spielen.. Ich sollte heilfroh sein, dass Fabian sich endlich mal verabredet hat, und die zwei sich so gut verstehen. Stattdessen lausche ich nervös und versuche sie ständig in Fabis Zimmer zu komplimentieren. Ich begreife ihre Kommunikation nicht und ihre Bewegungen scheinen mir so tölpelhaft und unkoordiniert, dass ich sie weit von allen empfindlichen Gegenständen wissen will.