Samstag, 22. November 2008

Wir haben die dümmsten Laufenten der Nation.. Letzte Nacht gegen drei bin ich im Schneetreiben raus und habe versucht sie aus dem Schnee in den Stall zu treiben - ohne jeden Erfolg. Natürlich hatte ich eine schlaflose Nacht, weil ich fürchtete dass die beiden festfrieren könnten oder sich zumindest erkälten.
Heute morgen ist am Futterbrett ein Stau wie sonst nur auf der A2. Bis jetzt habe ich gesehen: Kohlmeisen, Blaumeisen, Grünling, Bergfink, Buntspecht, Goldammer, Eichelhäher, Amsel und Kleiber. Außerdem einen hellbraunen schlanken Vogel, den ich nicht einordnen kann. An den Meisenknödeln tummeln sich die Schwanz- und Tannenmeisen. Ich muß unbedingt noch Futter für die Rotkehlchen und die anderen Insektenfresser kaufen und einen Weg finden es anzubieten, ohne dass die Enten rankommen.
Es schneit ohne Pause weiter. Wie lange hatten wir keinen richtigen Schnee mehr ? Ich mußte Fabi zeigen, wie man einen Schneemann baut und dann fragte er tatsächlich: Mama, diese Körner die vom Himmel fallen, was ist das eigentlich ?
Leider hat Lili nichts von der weissen Pracht - sie liegt immer noch mit einer Arthritis in der Hüfte auf der Couch und darf sich kaum bewegen.

Mittwoch, 12. November 2008

Auf dem Weg zu meiner Mutter hat mich der Geruch von nassem Laub überfallen. Bisher war er mir höchstens als unangenehm faulig aufgefallen, meist aber gar nicht. Diesmal erinnerte er mich an Herbsttage auf dem Schulhof meiner Grundschule auf dem hohe Bäume standen, in denen im Frühjahr die Elstern nisteten und im Herbst eine dicke Laubschicht das Laufen zu einer Rutschpartie machte.
Woher kommt so eine Geruchsverbindung nach all den Jahren? Liegt es daran, dass meine eigenen Kinder nun in der Grundschule sind? Es ist so viel Zeit vergangen seit damals und ich bin alt geworden.
Die Zeit ist sowieso ein merkwürdiges Ding. Sie scheint mit jedem Tag schneller zu laufen, was mich ständig daran erinnert dass meine innere Uhr tickt und doch erscheint sie rückblickend unglaublich gedehnt und Dinge, die erst letzten Monat waren sind wie in einen Nebel gehüllt und weit entrückt.
Für mich ist Zeit der ständige Wechsel zwischen Tag und Nacht - eine überschaubare stets ungefähr gleich lange Zeiteinheit, deren Verstreichen ich spüre und um deren nächtliche Hälfte ich mich stets durch den Schlaf betrogen fühle. Ich werde nie verstehen, wie manche genußvoll Tage verschlafen. Für mich ist das nur Zeit, die unrettbar verloren ist. Wenn ich schlafe, folge ich nur einer ärgerlichen Notwendigkeit.
Klaus Maria Brandauer hat mal gesagt, der Tod begleite ihn immer - am Tisch sitze er neben ihm, im Flugzeug hinter ihm ... So geht es mir auch. Wann hat das begonnen? Ich muss gerade erwachsen gewesen sein aber so recht kann ich mich nicht mehr erinnern. Manchmal empfinde ich das als Last, und beneide alle die sorglos leben und die Zeit nicht verstreichen sehen. Dann wieder denke ich, dass ich vielleicht das Leben bewußter genieße.
Der Geruch nach nassem Laub währte nur Sekunden und wurde dann von dem nach Hundekot als Gegenwart gelöscht. Aber nicht als Erinnerung, die ich wie ein Buch ins Regal der Vergangenheit stelle.

Montag, 3. November 2008

In Deutschland darf niemand zweimal wegen desselben Verbrechens bestraft werden. Das Schulgesetz erlaubt aber anscheinend eine Achtjährigen um zwei Noten schlechter zu bewerten, als ihre tatsächlichen Leistungen sind, weil sie "stört". Und ihr dann gleichzeitig noch eine schlechte Kopfnote zu erteilen. Dabei sollte man doch die Lehrerin bestrafen, die Angst hat dass meine Tochter schlechte Laune bekommt wenn man sie nicht neben ihrer Freundin sitzen läßt.

Das Wochenende war so wunderbar friedlich - die Kinder waren bei Oma. Allein die Tatsache, dass es so ruhig im Haus war und alle Hintergrundgeräusche fehlten hatte den perfekten Erholungscharakter. Genug Erholung um heute das Gespräch mit Lilis Klassenlehrerin zu überstehen (siehe oben), Fabis Protestgebrüll (Zimmer aufräumen scheint eine Foltermethode für sechsjährige Jungs zu sein - man sollte das wirklich Amnesty International melden) und Lilis Konzertauftritt am Abend.
Da macht es fast nichts mehr, dass ich die Ärmel an Fabis Pullover falsch gestrickt habe und nochmal von vorne anfangen muss und der Habicht (oder wars der Fuchs - ich sollte Krimis für den Hühnerstall schreiben) den schönen neuen Hahn und die Marions junge Welsumerhenne geholt hat. Auf meinem Wunschzettel für Weihnachten steht neben so bescheidenen Dingen wie Weltfrieden, Gesundheit für die Familie und einer Reparatur meines Spinnrades auf jeden Fall auch, dass Habicht und Fuchs ein anderes Fast-Food-Restaurant finden. Vielleicht sollte ich eines eröffnen - möglicherweise handelt es sich um eine Marktlücke.

Die Wunschzettel der Kinder haben mich dieses Jahr überrascht. Zum einen sind sie bereits fertig (bisher war das immer erst Nikolaus der Fall). Zum anderen hat Lili gleich mehrere Spielzeugkataloge abgeschrieben (ist das das Kind das immer nur "Überraschungen" wollte?) während Fabian sich in ungewohnter Bescheidenheit geübt hat (den Stoffhund, der richtig pinkeln kann konnte ich ihm zum Glück ausreden, mir reicht es wenn das Kind ins Bett pinkelt).
Auf die Weihnachtseinkaufstour freue ich mich jedes Jahr als wäre ich selber noch ein Kind.... obwohl wir uns nach dem desaströsen Start in den Herbsturlaub dieses Jahr etwas in Bescheidenheit üben werden.

Die Highlights der vergangenen Woche:
Sirius frisst 350g Bonbons und spuckt nach mehreren Stunden jammervollen Jaulens literweise Zuckerwasser.
Und Lili zur Vertretungslehrerin: Warum sollen wir leise sein, wenn Sie selber so schreien?