Sonntag, 6. Juni 2010

Drei Tage lang war Lili pubertär unausstehlich, heute gibt sie den Engel. Hilfsbereit versucht sie Unkraut zu jäten und fällt dabei dauernd auf den Hintern. Das Unkraut ist stärker als die kleine Maus. Zum Mittagessen schneidet sie Gurken und Salat und zwischendurch eilt sie hierhin und dorthin, eifrig Blumen sammelnd und bestimmend für ihr Herbarium. Wenigstens dieses Schulprojekt hat ihren Eifer geweckt. Dann mein kleines Highlight des Tages: Nach einem mütterlich philosophischen Exkurs über Rosen und Dornen und die Parallelen zum Leben: An allem Schönen gibt es auch irgend etwas was ziemlich ätzend ist. antwortet mein Sonnenschein: Wieso denn? Du bist schön und überhaupt nicht ätzend. Lili, you made my day.
Fabis Ankunftstag haben wir gestern auf dem Mittelalterfest in Gütersloh gefeiert. Das war mit Abstand die stimmungsvollste derartige Veranstaltung auf der ich jemals war. Die Kinder konnten Seile machen, und wir konnten beim Töpfern und Schmieden und Zinngießen zuschauen und erfahren wie Wolle mit Pflanzenfarben gefärbt wurde. Natürlich war auch der Dattelschlepper da, und verführte uns zum Kauf seiner Köstlichkeiten. Ein kleines Ritterturnier und perfekter Sonnenschein rundete das Ganze ab.
Den heutigen Sonntag habe ich im Garten verbracht. Vormittags mit drei Stunden schwerer Arbeit und nachmittags mit dem Buch Afrika zu Fuß.

Sonntag, 30. Mai 2010

Diesen blog hatte ich ins Leben gerufen um all jene, die viel zu selten etwas von uns hören ab und an über unser Leben, unseren Alltag und meine Gedanken dazu auf dem Laufenden zu halten.
Natürlich sind die Beiträge seltener geblieben als ich zunächst plante aber in der letzten Zeit dünnen sie doch deutlich aus. Ihr wißt natürlich woran das liegt: Die Abreise ins große Abenteuer rückt immer näher, die Vorbereitungen verdichten sich und der Alltag wird zur lästigen Notwendigkeit neben all den neuen Anforderungen. Gerade der Juni verspricht extrem stressig zu werden, da ich sehr viel arbeiten muss, die Schule noch läuft aber vieles vieles noch ungeklärt und unerledigt ist.

Ich bin also nicht sicher ob und wie ich mich hier in den nächsten Wochen melden kann. Zumal dieser blog vorläufig ausläuft und für die Dauer der Reise durch einen anderen ersetzt wird. Ich bin noch nicht ganz mit dem Einrichten fertig, werde die Adresse aber hoffentlich im Laufe des Junis herausgeben können.

Sonntag, 16. Mai 2010

Durchs Fenster betrachtet erinnert der Mai heute an mein Lieblingsmaigedicht und entspricht damit sozusagen voll den Erwartungen:

DER MAI
Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.
Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.
Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!
Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.
Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

(Erich Kästner)

Jedenfalls wenn man einen der sonnigeren Momente zum rausschauen erwischt. Wagt man es allerdings die Nase vor die Tür zu stecken fällt einem eher das Maigedicht von Gustav Falke ein:


AN DEN MAI
Schäm dich Gesell! Kein Sonnenschein?
Und du stellst dich als Mai hier ein?
Du bist der rechte Tröster nicht!
Wer mag dein garstig Angesicht
Noch länger sehn? Geh reisen!
Schon reift dein Bruder uns heran,
Der Juni, der wird unser Mann,
Und wird sich hold erweisen.

Sieh da! Ein blanker Sonnenstrahl!
So bist du doch nicht ganz entherzt
Und lächelst auch einmal?
Doch lieber Freund, es ist verscherzt!
Das ist kein Mai, der sich bedenkt
Und tropfenweise sich verschenkt,
Ein Mai muß aus dem Vollen fließen,
Wir müssen ihn wie Wein genießen
Und wie in seligem Rausche sein,
Pack ein!

Ein Gedicht ist er also doch - der Mai. Und irgendwie doch nicht. Hoffen wir auf den Juni oder sind wir dankbar, die Terasse nicht neu verlegen und bestuhlen zu müssen und holen uns den Fliederduft als Schnittblumen ins geheizte Haus?

Mittwoch, 12. Mai 2010

Seit gestern nachmittag bin ich etwas weniger weise, denn einen meiner Weisheitszähne hat die nette neue Zahnärztin behalten. Ich nehme aber an, dass sich das durch den zu erwartenden Weisheitszuwachs an meinem 40. Geburtstag wieder ausgleichen wird. Vielleicht hat die Natur es extra so eingerichtet, dass wir uns mit zunehmendem Alter von unseren Weisheitszähnen verabschieden müssen, weil wir mit beginnender Altersweisheit sonst ganz unerträglich weise und vernünftig würden. Dann wären Weisheitszähne eine Art Überbrückungshilfe für junge Erwachsene.

Folgt man dieser Theorie wäre dringend zu hoffen, dass meine hübsche Tochter ihre Weisheitszähne möglichst früh bekommt. Glaubt man nämlich ihren Lehrern - und ich fürchte mir bleibt nichts anderes übrig - dann kommt sie seit einiger Zeit gern ohne Hausaufgaben in die Schule. Die Turnübungen auf den Stühlen und das gleichmäßige Verstreuen und Verlegen ihres Arbeitsmaterials haben leider nicht nachgelassen. Dafür paßt sie jetzt nicht mehr auf und beteiligt sich nur noch zu 50 Prozent am Unterricht. In Deutsch hat sie es geschafft die schlechteste Arbeit der Klasse zu schreiben und in ihrer Politik-Mappe klafft eine Lücke zwischen Ende März und Anfang Mai.

Natürlich führten diese Informationen zu extremem häuslichen Unfrieden und diversen Restriktionen, die hoffentlich das Zeugnis retten werden.
Hier kann ich es ja zugeben: Zumindest die Verweigerung des Politikunterrichts kann ich nachvollziehen. Es war ja noch nie Lilis Ding Persönliches in die Öffentlichkeit zu tragen, und auf Umfragen nach der Höhe ihres Taschengeldes und wofür sie es ausgibt reagiert sie einfach nicht. Dass das derzeitige Thema Computerspiele sind hilft auch nicht weiter - Lili fragt sich zu Recht was das mit Politik zu tun hat. Natürlich hatte niemand den Schneid mit der Klasse über den möglichen Zusammenhang mit Amokläufen zu sprechen. Obendrein hätte sich Lili zur Zeit mehr für Bedeutung und Ablauf der Landtagswahlen interessiert als für das neue Thema Freizeitparks.
Auch dass dieselbe Lehrerin im (gemischten) Sexualkundeunterricht die Mädchen befragt ob sie schon ihre Tage haben fand Lili etwas eigenartig. Die gute Frau K. dürfte ihren Status als Lieblingslehrerin jedenfalls verspielt haben.

Da fragt man sich doch wer hier der Weise ist.

Da Lili also zur Zeit viel Druck gemacht wird benimmt sich Fabi wie das reinste Engelchen. Es ist eben ein Naturgesetz, dass Kinder nach Möglichkeit abwechselnd schrecklich sind. Sonst würden die meisten Eltern in einer Institution mit vergitterten Fenstern enden. Eben eine weise Einrichtung der Natur....

Donnerstag, 15. April 2010

Lili weiß alles über Kakadus. Sie kann sogar die 21 Kakaduarten aufzählen fast ohne zu lachen, und darum hat sie heute für ihren Kakaduvortrag im Deutschunterricht eine Eins bekommen. Fabian hat seine allererste Klassenarbeit geschrieben oder wie er sich ausdrückte Mama, ich hab Mathe überstanden.
Während I. mit Fabi schwimmen geht gehe ich mit meiner umwerfenden Tochter ein großes Eis essen. Wieder zu Hause belohne ich die Hunde fürs Alleinebleiben mit einer schönen Achillessehne vom Kalb und finde erst danach einen Löffel und die Suppenkelle auf der Couch, den Sellerie im Körbchen, die Tomaten und den Knoblauch auf dem Boden und die Möhren gar nicht mehr.

Donnerstag, 8. April 2010

Als ich dreizehn war und meine ganze Stirn von häßlich roten beuligen Pickeln bedeckt, versprach meine Mutter dies würde sich ändern wenn ich erwachsen wäre. Als ich erwachsen war und die Pickel kleiner aber dafür zahlreicher sagte sie, ich solle mich freuen, denn Frauen mit fettiger Haut bekämen weniger Falten. Sie hat zweimal gelogen. Heute kämpfe ich gegen Pickel und Falten und welcher der beiden Kämpfe der hoffnungslosere ist vermag ich nicht zu sagen.
Inzwischen habe ich eine Tochter deren Näschen neulich von einem allerersten winzigen Pickelchen verunziert wurde. Lilis Reaktion darauf spiegelte ein überraschendes Selbstbewußtsein: Ich habe einen Pickel auf meiner ma-kel-lo-sen Haut!! Das ist eine Un-ver-schämt-heit!!
Sollte ich ihr sagen, die Pickel würden verschwinden wenn sie älter würde? Ein Blick in mein Gesicht hätte mich verraten. So sagte ich nur: Komm, ich zeig dir, wie man ihn fast unsichtbar macht.
Kosmetik ist die Lösung unserer Zeit für beinah alle Probleme - vielleicht hätten wir weniger davon, wäre die Kosmetik nie erfunden worden. Dann wären die Pharonen weniger geheimnisvoll und das Rokoko lustlos gewesen und wir wären vermutlich ein gut Teil vernünftiger, praktischer und sicherlich ehrlicher.

Freitag, 2. April 2010

Guido hat den Sandkasten abgebaut. Ein wenig Trauer hing schon in der Luft als die Bretter zur Seite fielen und der Sand oder was davon übrig war abtransportiert wurde. Fabian, der sich gestern noch darin eingebuddelt hat half ungerührt beim Abräumen.
Der Tag war aber herrlich sonnig und warm und die frische Luft bei all der Arbeit draußen hat mir unendlich gut getan.
Morgen abend hole ich meine Süße vom Bahnhof ab - und wenn ich morgen früh aus dem Bett komme fahre ich nach Verl und hole Giovanni ein paar neue Hennen.

Dienstag, 30. März 2010

Guidos 42. Geburtstag verlief so unspektakulär wie möglich. Die 42 kann ich sowieso nicht glauben, denn sonst muss ich auch an mein eigenes Alter glauben. Und dabei handelt es sich ganz sicher um einen Schreibfehler in der Geburtsurkunde.
Wir haben den Tag kinderlos mit einem Stadtbummel zugebracht, und weil wir die kinderlosen Tage so sehr ersehnt hatten konnten wir diesen so richtig genießen. Im Spielwarengeschäft erstanden wir nur vier neue Familienspiele und im Teeladen mußte ich mich bremsen um nicht nach kindertauglichen Tees zu fragen. Schließlich kauften wir noch einen Strauß Filzblumen, der ganz hervorragend auch in Lilis Zimmer passen würde und in einem bekannten Bekleidungsgeschäft waren wir ganz enttäuscht von der Qualität der Kinder-T-Shirts, die in der Werbung so toll ausgesehen hatten.
Ergebnis: Ein paar Filzblumen auf dem Eßtisch, die früher oder später zu Lili wandern werden und immerhin zwei Sorten schwarzer Tee.
Da fällt mir die selbstbewußte Aussage meiner Großen vor ihrer Abfahrt auf die Freizeit ein: Du könntest doch gar nicht ohne uns in Urlaub fahren Mama. Du würdest uns so doll vermissen, dass Du nach ein paar Tagen wieder zurückkommen würdest.
Das hätte ich auch nie von mir geglaubt.

Freitag, 26. März 2010

Noch eine Abendrunde in der Praxis und Lilis Vorspiel mit der Harfenklasse und wir alle haben Osterferien. Lili wird morgen früh wieder nach Föhr fahren und Fabian hat zumindest eine Woche Freizeit-ohne-Koffer von der Lebenshilfe. Auf dem Kalender stehen so unbeliebte oder einfach nötige Dinge wie Zahnarzt und Schafe scheren - aber davon reichlich.
Aber für heute abend habe ich mir erst einmal ein Buch gekauft: Zeit der Gespenster von Jodi Picoult. Das sollte schöne versunkene Stunden garantieren.

Sonntag, 14. März 2010

Die schwärzlich-grüne schleimige Spur kommt aus dem Waschbecken und führt über dessen Rand um sich auf dem Boden bis vor das bodentiefe Fenster fortzusetzen. Der Verursacher hockt dort, beinahe ausgetrocknet und zutiefst unglücklich. Sofern Blutegel unglücklich sein können.
Ich hatte morgens das Wasser im Glas der benutzten Egel gewechselt,da offenbar einer seine Blutmahlzeit wieder erbrochen hatte, und dabei war mir ein Egel in den Abfluss gerutscht. Abgesehen von den rechtlichen Implikationen, die ein lebendiges Fertigarzneimittel mit dem Status künftigen Sondermülls in dieser Situation mit sich bringt hatte mir der Kleine herzlich leid getan. Im Abfluss war er nicht mehr zu entdecken gewesen und so hatte ich ihn verloren gegeben und nur seine Kumpane ermahnt, sich die zwei Wochen Gnadenfrist in meiner Obhut nicht ebenfalls unnötig zu verkürzen. Einige Stunden später sah ich dann wozu ein entschlossener Egel fähig ist.
Leider haben mit ihm auch alle seine Kumpels seinen Ausflug mit dem Leben bezahlt. Es reicht mir Dompteur für die noch hungrigen Egel zu spielen, auf keinen Fall aber möchte ich meinen Patientenbesitzern die Herkunft weiterer schwarzer Kriechspuren im Handwaschbecken erklären. Außerdem war das Wasser im Egelglas schon wieder von der Farbe eines billigen Rotweines. Völlerei führt eben zu Übelkeit, das wußten schon die alten Römer.

Ebenfalls erstaunliche Fähigkeiten hat Scarlett bewiesen. Offensichtlich versteht sie fließend Menschlich, denn als ich aufgrund eines leichten Fiebers und etwas Bauchgrummelns der leidenden Prinzessin erklärte ich hole nur gerade eine Spritze versteckte sie ihren Kopf entsetzt in Guidos Armbeuge. Leider reichte ihre Vernunft nicht so weit, die Möhren auf der Anrichte zu verschmähen. Aber wenigstens sieht sie hinreichend schuldbewußt aus, um sich ein Donnerwetter zu ersparen.

Während unser Federvieh den verregneten Sonntag damit zugebracht hat die zarten Krokusspitzen vor der Terasse zu zertrampeln und die Blaumeisen in unerschütterlichem Optimismus angefangen haben zu brüten waren wir im Kino. Zwischen Alice im blauen Kleid, verrücktem Hutmacher, Grinsekatze und der grausamen roten Königin ließ es sich hervorragend aushalten.
Nun müssen wir nur noch Lilis Erdkundebuch wiederfinden und der Tag ist gerettet.

Freitag, 5. März 2010

Eine wenig alltägliche Woche neigt sich dem Ende. Ich habe tatsächlich einen ganzen Tag mit einer Freundin verbracht - in einer erstaunlich interessanten Fortbildung über kleine Versuchstiere. Auf totale Langeweile gefaßt und vorsichtshalber ausgerüstet mit Bücherwurmfutter verging der Tag zwischen Ratten, Mäusen und ungefähr 200 anderen Interessierten oder Interessierteren wie im Flug.
Und da der Van nachher im Parkhaus nicht ansprang hat der nette Mann vom ADAC ihm auch noch gleich eine neue Batterie eingebaut - so brauchen wir nicht extra in die Werkstatt zu fahren.
Danach war die Navi-Tante zwar so durcheinander, dass wir eine halbe Stunde lang das Restaurant gesucht haben, aber das köstlich duftende indische Essen hat dafür mehr als entschädigt.
Irgendwann fahre ich auch nach Indien.
Kurzweilig war die diese Woche auch unser Jüngster, der uns am Dienstag die Hausaufgaben vom Montag noch mal als gemacht verkaufen wollte. Den Wochenarbeitsplan hatte er vorsichtshalber weggeschmissen. Jetzt muss er am Wochenende vier Arbeitsblätter Mathe machen, was bestimmt für Kurzweil sorgt.
Die Große hat am letzten Freitag endlich damit rausgerückt, dass sie in der Schule gemobbt wird - womit die sich verschlechternden Noten erklärt wären. Nach diversen Telefonaten hat die Klassenlehrerin die Lage wohl etwas entschärft. Weitere Maßnahmen sollen nach dem Elternstammtisch am Dienstag stattfinden. Inzwischen haben wir vom Erdkundelehrer, der ein streng aussehender bärtiger Sechziger ist, gehört die Klasse sei die schlimmste seiner Laufbahn.
Ich freue mich so unendlich auf ein Jahr ohne Schule und überlege immer öfter, ob ich mit den Kindern überhaupt zurückkomme. Die websites über homeschooling gewinnen immer mehr an Anziehungskraft. Und warum überhaupt Schule - groß werden sie von alleine, oder?

Sonntag, 21. Februar 2010

Nach einigen Minuten intensiver Suche bin ich fündig geworden. Fünf Schneeglöckchen haben ihre grünen Spitzen zaghaft zwischen dem noch verbliebenen Schnee nach oben geschoben. Glücklich habe ich die zerfetzte Hundedecke und den zerbissenen Lederhandschuh vom Rasen geerntet und weniger glücklich festgestellt, dass die Ernte an Hundehaufen mal wieder besonders reichlich ausfällt. Für die Nachbarn muss ich ein merkwürdiges Bild abgegeben haben, wie ich noch erhitzt vom Böden putzen und im kurzärmeligen T-Shirt murmelnd und gebückt durch den Schnee gestapft bin. Aber es hat sich gelohnt. Fünf Schneeglöckchen sind ein Sonnenstrahl, den der trübe Tag allen anderen verwehrt hat.

Montag, 15. Februar 2010

So langsam steigt das Reisefieber. Und mit der erhöhten Temperatur nimmt auch die Frequenz der google-Nutzung zu: Wann ist eigentlich die Regenzeit in Kenia?, Wie kommen wir am besten durch den Sudan?, Mursi in Oma Valley oder Gorillas in Ruanda? Vieles werden wir erst unterwegs entscheiden können oder müssen, manches erledigt sich am Rechner (ja, wir kommen vermutlich während der kleinen Regenzeit nach Kenia, und nein, die Gorillas zu sehen können wir uns gar nicht leisten (500 Dollar pro Stunde).
Mit der einsetzenden Vorfreude ist Guido zu jener fiebrigen, zielgerichteten Aktivität entbrannt, an die ich mich nur noch verschwommen erinnern konnte, war sie doch zwischen Kindern, Rechnungen und Schule im Phlegma versunken. Aber nicht untergegangen, wie sich jetzt herausstellt. Und so habe ich den gestrigen Valentinstag stillvergnügt lächelnd im Herzen gefeiert und keine Blume vermisst.

Sonntag, 7. Februar 2010

Natürlich ist die Spülmaschine kaputt. Es wäre auch wahrhaftig seltsam, wenn sie bei der allseits schlechten Stimmung nicht auf ihre hohe Sensibilität pochen würde und sich weigerte Wasser zu ziehen. Ein Blick auf die Rechnung und meine Laune sinkt noch weiter: Die Garantie ist am 29.1. abgelaufen.
Und während ich Spülbecken um Spülbecken mit Wasser fülle versucht mein GöGa den PVC im kleinen Behandlungszimmer zu verlegen - gar nicht mal schlecht, wenn er nur nicht ganz so nörgelig wäre: Es wird ewig dauern diesen Schrank auszuräumen (15 Minuten). Es wird Tage dauern, diesen Teppich abzukratzen (2 Stunden). Und als er mir nach Stunden fleißiger Arbeit ein ordentliches Ergebnis vorführt und ich es wage zu bemerken, der PVC müsse verklebt werden ist er so gereizt dass er mich nur noch anblafft. Kein Wunder, dass er Lehrer geworden ist - die Schüler müssen sich das gefallen lassen.
Derweil sucht meine kratzbürstige Tochter ihren Rucksack, den sie morgen zum Methodentraining nun mal braucht und mault dabei halblaut vor sich hin. Es ist ja auch wirklich eine Unverschämtheit, dass ich nicht einfach einen Ersatzrucksack aus dem Schrank ziehe sondern eine umfassende Suchaktion verlange.
Aber immerhin ist sie leiser als Fabian, der sein Zimmer aufräumen soll.
Ich würde jetzt gern eine Runde rumschreien - nur leider bin ich seit Tagen völlig heiser, und gehöre eigentlich ins Krankenbett.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Waren es die Inuit, die 50 Wörter für Schnee kennen oder die Samen? Mir fällt kein einziges neues Wort für diesen widerlichen Matsch auf den Strassen ein, und auch die dreckigen Eisknubbel und schmierigen Überzüge lassen keine Kreativität bei mir aufkommen. Vielleicht muss Schnee schön sein um 50 Namen zu verdienen.
Die Praxis stand letzte Woche beinahe still und versetzte mich damit in Panik. So sehr ich es hassen würde als Angestellte zu arbeiten - wenigstens käme regelmäßig Geld rein. Ausgerechnet jetzt wo die Zahlung ans Finanzamt so drückt habe ich kaum was zu tun. Natürlich liegt das aller Wahrscheinlichkeit nach an der allgemeinen Strassenlage, aber es macht mich verrückt. Außerdem könnte ich mich als Angestellte jetzt ein paar Tage krankschreiben lassen, wie mein GöGa und meinen aufziehenden Husten austreiben.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Wenn man Seelachs richtig zubereitet schmeckt er nach Fernweh. Mariniert in Zitronensaft, Knoblauch, Paprika, Thymian und Zimt und danach gebacken in einer Curry-Coriander-Panade läßt er exotische Gewürzmärkte voller Duft und Farben auferstehen und erinnert mich an einen Tag in Shimoni, Tansania: Mit dem Einbaumkanu durch die Mangroven staken und im kristallklaren warmen Pazifik schnorcheln wäre jetzt genau das Richtige um den Januar-Blues zu vertreiben. Aber vorerst muss ich mich mit dem Seelachs begnügen.
Der Januar scheint mir jedenfalls mehr zuzusetzen als gewöhnlich, denn meine Patientenbesitzer sprechen mich alle auf mein müdes krankes Aussehen an. Aber vielleicht werde ich auch einfach alt. Immerhin steht dieses Jahr die 40 auf dem Plan.
Und bis wir zu exotischen Märkten aufbrechen dauert es auch nicht mehr lange. Bis dahin unterhalte ich mich damit die Hühner mittels eines Teppichklopfers daran zu hindern, sich auf unserem Terassentisch einzunisten und das Vogelhaus leer zu fressen. Die Schwanzmeisen danken es mir mit possierlichen Kapriolen, wenn sie zu sechst oder siebt auf einem Meisenknödel sitzen. Sie kennen keinen Winterblues, auch wenn der Winter zu ihnen viel härter ist als zu mir.

Sonntag, 17. Januar 2010

Weihnachten war so wunderbar weihnachtlich diesmal dass es fast an ein Weihnachtswunder grenzt. Was vielleicht an meiner Weigerung lag den Weihnachtsstress durch den üblichen Kirchgang noch zu verschärfen - oder an der gelungenen Menüzusammenstellung, selten habe ich mit so wenig Arbeit fünf Gänge auf den Tisch gezaubert. Es war das erste Weihnachtsfest, bei dem Lili am tradtionellen Heiligabendfondue teilnehmen durfte und sie hat so viel und so lange wie möglich gegessen um nur nicht ins Bett zu müssen, vermutete ich. Eine neunjährige, die anderthalb Stunden lang ununterbrochen isst ist ein recht erstaunlicher Anblick.

Der Urlaub in Dänemark begann als Volltreffer: Das billigere Haus in Lildt Strand war großzügig geschnitten, wunderschön eingerichtet und mit einer sehr preiswerten Ölheizung ausgestattet. Zwar hatten wir dieses Mal Nachbarn, so dass wir die Hunde nicht einfach alleine rauslassen konnten wie gewohnt, aber in der zweiten Urlaubshälfte erwiesen sich die Nachbarn als angenehme Rückversicherung, Wir sind nämlich eingeschneit. Und zwar so gründlich, dass wir mehrere Tage länger bleiben mußten als geplant und die Lebensmittel irgendwann zur Neige gingen. Das war eine interessante Erfahrung, die ich jedoch nicht unbedingt wiederholen möchte.
Lili hat den Urlaub genutzt, um ihre erste Power-Point-Präsentation zu erstellen und Fabi um das nächtliche Lebensmittelklauen zu perfektionieren. Letzteres führt bei allgemeiner Lebensmittelknappheit zu erhöhter elterlicher Begeisterung, wie sich jeder vorstellen kann.

Bei der Rückkehr waren die meisten Dinge im Lot, wenn auch mit dem üblichen Kleinchaos. So hatte D. tagelang kein warmes Wasser für die Praxis und dafür jede Menge kaltes Wasser im Keller, weil die neue Heizanlage undicht war und der Schnee türmte sich auch hier in respektablen Bergen.
Die Schulen hielten sich glücklicherweise bedeckt was unsere verspätete Rückkehr anging, nur Guido muss die Tage nacharbeiten. Leider kam Lili dann gleich mit der nächsten 5 in Mathe nach Hause und legte gleich noch eine schlechte Deutscharbeit oben drauf - letztere allerdings versüßt durch die Aussage der Lehrerin, dass sich Lilis Arbeitverhalten im Unterricht dramatisch verbessert habe. Tatsächlich hat sie ihr Fehlverhalten wohl in den Erdkundeunterricht verlagert - der entsprechende Brief des Lehrers fand sich gestern zufällig in ihrem Tornister.
Fabian hat mir den ersten heftigen Streit mit Isabell, der I-helferin beschert. Sie findet, dass ich den Jungen quäle, wenn ich darauf bestehe dass er die Matheaufgaben zu Ende führen soll. Zwanzig Minuten seien mehr als genug meint sie. Zwanzig Minuten rechnen sind allerdings mehr als genug, nur leider bockt Fabian vierzig Minuten herum bevor er überhaupt anfängt zu rechnen. Bin ich zu geprägt durch die Hundeerziehung? Ich kann ihm doch nicht durchgehen lassen, keine Aufgaben zu machen weil er es schafft zwanzig Minuten lang nichts zu tun. Damit bestärke ich ihn ja noch in seinem Verhalten. Oder sehe ich das völlig falsch und das arme Kind leidet unter meinem übertriebenen Ehrgeiz? Nur merkwürdig dass ich die exakt gleiche Diskussion einst mit Lilis Grundschullehrerin geführt habe.
Am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass man mir sagt ich sei eine schlechte Mutter, weil ich mich nicht die ganze Zeit danebensetze und die Hausaufgaben kleinschrittig begleite. Ich halte es aber immer noch für wichtig Kinder zum selbständigen Arbeiten zu erziehen. Und das gilt - in Maßen und mit Augenmaß natürlich - auch für Freund Fabian.