Sonntag, 30. Mai 2010

Diesen blog hatte ich ins Leben gerufen um all jene, die viel zu selten etwas von uns hören ab und an über unser Leben, unseren Alltag und meine Gedanken dazu auf dem Laufenden zu halten.
Natürlich sind die Beiträge seltener geblieben als ich zunächst plante aber in der letzten Zeit dünnen sie doch deutlich aus. Ihr wißt natürlich woran das liegt: Die Abreise ins große Abenteuer rückt immer näher, die Vorbereitungen verdichten sich und der Alltag wird zur lästigen Notwendigkeit neben all den neuen Anforderungen. Gerade der Juni verspricht extrem stressig zu werden, da ich sehr viel arbeiten muss, die Schule noch läuft aber vieles vieles noch ungeklärt und unerledigt ist.

Ich bin also nicht sicher ob und wie ich mich hier in den nächsten Wochen melden kann. Zumal dieser blog vorläufig ausläuft und für die Dauer der Reise durch einen anderen ersetzt wird. Ich bin noch nicht ganz mit dem Einrichten fertig, werde die Adresse aber hoffentlich im Laufe des Junis herausgeben können.

Sonntag, 16. Mai 2010

Durchs Fenster betrachtet erinnert der Mai heute an mein Lieblingsmaigedicht und entspricht damit sozusagen voll den Erwartungen:

DER MAI
Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.
Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.
Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!
Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.
Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

(Erich Kästner)

Jedenfalls wenn man einen der sonnigeren Momente zum rausschauen erwischt. Wagt man es allerdings die Nase vor die Tür zu stecken fällt einem eher das Maigedicht von Gustav Falke ein:


AN DEN MAI
Schäm dich Gesell! Kein Sonnenschein?
Und du stellst dich als Mai hier ein?
Du bist der rechte Tröster nicht!
Wer mag dein garstig Angesicht
Noch länger sehn? Geh reisen!
Schon reift dein Bruder uns heran,
Der Juni, der wird unser Mann,
Und wird sich hold erweisen.

Sieh da! Ein blanker Sonnenstrahl!
So bist du doch nicht ganz entherzt
Und lächelst auch einmal?
Doch lieber Freund, es ist verscherzt!
Das ist kein Mai, der sich bedenkt
Und tropfenweise sich verschenkt,
Ein Mai muß aus dem Vollen fließen,
Wir müssen ihn wie Wein genießen
Und wie in seligem Rausche sein,
Pack ein!

Ein Gedicht ist er also doch - der Mai. Und irgendwie doch nicht. Hoffen wir auf den Juni oder sind wir dankbar, die Terasse nicht neu verlegen und bestuhlen zu müssen und holen uns den Fliederduft als Schnittblumen ins geheizte Haus?

Mittwoch, 12. Mai 2010

Seit gestern nachmittag bin ich etwas weniger weise, denn einen meiner Weisheitszähne hat die nette neue Zahnärztin behalten. Ich nehme aber an, dass sich das durch den zu erwartenden Weisheitszuwachs an meinem 40. Geburtstag wieder ausgleichen wird. Vielleicht hat die Natur es extra so eingerichtet, dass wir uns mit zunehmendem Alter von unseren Weisheitszähnen verabschieden müssen, weil wir mit beginnender Altersweisheit sonst ganz unerträglich weise und vernünftig würden. Dann wären Weisheitszähne eine Art Überbrückungshilfe für junge Erwachsene.

Folgt man dieser Theorie wäre dringend zu hoffen, dass meine hübsche Tochter ihre Weisheitszähne möglichst früh bekommt. Glaubt man nämlich ihren Lehrern - und ich fürchte mir bleibt nichts anderes übrig - dann kommt sie seit einiger Zeit gern ohne Hausaufgaben in die Schule. Die Turnübungen auf den Stühlen und das gleichmäßige Verstreuen und Verlegen ihres Arbeitsmaterials haben leider nicht nachgelassen. Dafür paßt sie jetzt nicht mehr auf und beteiligt sich nur noch zu 50 Prozent am Unterricht. In Deutsch hat sie es geschafft die schlechteste Arbeit der Klasse zu schreiben und in ihrer Politik-Mappe klafft eine Lücke zwischen Ende März und Anfang Mai.

Natürlich führten diese Informationen zu extremem häuslichen Unfrieden und diversen Restriktionen, die hoffentlich das Zeugnis retten werden.
Hier kann ich es ja zugeben: Zumindest die Verweigerung des Politikunterrichts kann ich nachvollziehen. Es war ja noch nie Lilis Ding Persönliches in die Öffentlichkeit zu tragen, und auf Umfragen nach der Höhe ihres Taschengeldes und wofür sie es ausgibt reagiert sie einfach nicht. Dass das derzeitige Thema Computerspiele sind hilft auch nicht weiter - Lili fragt sich zu Recht was das mit Politik zu tun hat. Natürlich hatte niemand den Schneid mit der Klasse über den möglichen Zusammenhang mit Amokläufen zu sprechen. Obendrein hätte sich Lili zur Zeit mehr für Bedeutung und Ablauf der Landtagswahlen interessiert als für das neue Thema Freizeitparks.
Auch dass dieselbe Lehrerin im (gemischten) Sexualkundeunterricht die Mädchen befragt ob sie schon ihre Tage haben fand Lili etwas eigenartig. Die gute Frau K. dürfte ihren Status als Lieblingslehrerin jedenfalls verspielt haben.

Da fragt man sich doch wer hier der Weise ist.

Da Lili also zur Zeit viel Druck gemacht wird benimmt sich Fabi wie das reinste Engelchen. Es ist eben ein Naturgesetz, dass Kinder nach Möglichkeit abwechselnd schrecklich sind. Sonst würden die meisten Eltern in einer Institution mit vergitterten Fenstern enden. Eben eine weise Einrichtung der Natur....