Donnerstag, 26. Februar 2009

Ich beruhige mich gern damit einen guten deal mit dem Schicksal geschlossen zu haben. So lange ich all diese kleinen alltäglichen Katastrophen erleide, so lange werde ich von den großen verschont bleiben. Das heißt wenn der Wäschetrockner seinen Geist aufgibt, die ganze Futterdose im Aquarium landet, die Bremsbeläge des Vans anfangen zu quietschen, die Ente niest und meine Tochter lügt dass sich die Balken biegen, so lange der Weidenzaun durch Frostschaden vor sich hinbröckelt, der Hund abhaut, der Hahn aus dem Leben scheidet und der Rechner abstürzt, so lange wird keiner meiner Lieben sterbend im Strassengraben enden oder der Arzt Leukämie diagnostizieren. Jedenfalls so lange das alles an einem Tag passieren kann.
Oh happy day !! :-)

Mittwoch, 18. Februar 2009

Das Leiden der Lämmer. Wieso sind die armen Würmchen mit der Flasche nur so schlecht durchzubringen? Lämmerverluste von 10% sind normal bei Flaschenlämmern sagt man, aber wenn die eigenen beiden zu den 10% gehören ist das so unendlich traurig. Eines mußte ich einschläfern, das andere liegt mit scheinbar unstillbarem Durchfall im heugefüllten Karton neben dem Sofa und stirbt mir vielleicht in den nächsten Stunden unter den Händen weg.
Wozu kommt so ein kleines hoffnungsvolles Leben auf die Welt, nur um sie nach wenigen Tagen so elend wieder zu verlassen?

Sonntag, 8. Februar 2009

Ich bremse - meine Tochter steht auf Vollgas. Lili ist fest entschlossen, den Sprung zu schaffen und hat uns einen Vertrag angeboten, den wir nicht ablehnen können. Darin steht dass sie springen will, und dafür bereit ist ohne Zicken und Murren regelmäßig extra zu lernen und dass wir uns im Gegenzug verpflichten sie zu unterstützen mit Zeit, Erklärungen und Material. Wir haben darauf bestanden, dass zunächst eine Lernstanderhebung gemacht wird, damit wir was in der Hand haben und wissen wo sie wirklich steht. Dafür heißt es jetzt erstmal einen Termin besorgen - die Sache kommt also langsam tatsächlich ins Rollen. Hoffen wir dass das Gymnasium auch mitspielt und wir nicht Gott-weiß-wo eine aufnehmende Schule suchen müssen....

Fabi ist seit gestern wieder mehr auf Kontra. Seit der Diagnose sind wir deutlich geduldiger mit ihm, aber durchgehen lassen wir auch nichts. Für eine Woche schien das das Zaubermittel zu sein, jetzt entlarvt sich das mal wieder als Trugschluss. Wie immer war es eine (zufällige) Atempause zwischen den schwierigen Phasen und hatte rein gar nichts mit unserem Erziehungsstil zu tun. Da haben wir das doch gerade erst erklärt bekommen, und fallen wieder darauf rein.
Aber nicht erziehbar ist eine schwer verständliche Vorstellung. Immer wieder verfallen wir in den Fehler nach dem Schlüssel zu suchen, und immer wieder stellen wir fest dass das Schloss sich dauernd ändert.

Damit uns nicht langweilig wird hängen wir in einer Border-Collie-Vermittlungsgeschichte (ausgerechnet Border ;-) ), die Zeit und Nerven kostet aber hoffentlich morgen ein glückliches Ende für den hübschen Rüden findet. Ich muss gestehen mich packen Mordgelüste wenn ein Hund mit eingeklemmtem Schwanz vor seinem Herrn in die Wälder flüchtet - und fünf Tage auf Trebe bleibt. Dass selbige Herrschaften dann auch noch plötzlich unglaublich besorgt sein wollen - obwohl sie ihn gleichzeitig möglichst schnell los sein möchten, weil die örtliche Jägerschaft ihnen Schwierigkeiten macht - hebt meine Laune auch nicht gerade. Ehrlich, diese Leute sollten mir besser nicht im Dunkeln begegnen.

Dienstag, 3. Februar 2009

Manchmal dreht sich die Welt im Laufe eines Tages so schnell, dass man schwindelig wird und gegen Abend zu fest aufschlägt. Da hilft es auch nichts, dass man die Karusselfahrt hat kommen sehen - oder zumindest erahnt hat. Man tut sich trotzdem weh.
Seit letztem Sommer war zumindest mir klar, dass mit Fabian etwas grundsätzliches nicht stimmt. Ich war nie blind gegenüber den Fehlern derjenigen die ich liebe und darum habe ich darauf gedrängt ihn noch einmal (das wievielte Mal?) untersuchen zu lassen. Nach all dem was wir schon gemacht haben blieben nach meinem Gefühl nur noch zwei Sachen: die Uniklinik Münster wegen Verdacht auf FAS und die Kinder-und Jugendpsychatrie in Bad Salzuflen wegen Verdacht auf ich weiß nicht was. Freitag war Termin und es ist amtlich: Fabi hat mit 100%iger Sicherheit ein Fetales Alkohol Syndrom und ist damit behindert.
Auch wenn wir froh sind, endlich eine klare Diagnose zu haben ist es ein Schock zu wissen, dass er nie ein eigenständiges Leben ohne Betreuung wird führen können. Es wäre unverantwortlich das zu ignorieren.
Die Symptome kennen wir natürlich zur Genüge, aber zum ersten Mal ist klar das sie alle zusammengehören: Fabi ist distanzlos und sehr vertrauensselig und beeinflussbar auch von Wildfremden, kann mein/dein und gut/böse nicht unterscheiden, hat kaum Impulskontrolle, kann die Konsequenzen seiner Handlungen nicht voraus- oder einsehen, ein sehr schlechtes Gedächtnis, kein Zeitverständnis, eine Aufmerksamkeitsstörung, erträgt keine Änderungen im Tagesablauf, kaum Eigenantrieb, einen Hang zur Verbreitung schlimmster Lügenmärchen, keine Frustrationstoleranz, kaum Sinn für Gefahren, eine schlechte Feinmotorik (das geringste Problem) usw.
Jetzt wissen wir aber auch, dass das Beste worauf man hoffen kann ist mit viel Therapie eine leichte Verbesserung zu erreichen, aber in den meisten Fällen werden vor allem die Wutausbrüche in der Pubertät noch schlimmer, auch die Neigung zum Zündeln. Vielleicht hilft uns Fabis für FAS untypisch hohe Intelligenz, vielleicht wird aber auch gerade das zum Problem weil ihm intelligenterer gefährlicher Unsinn einfällt?
Als Jugendliche geraten unentdeckte oder zu wenig beaufsichtigte Betroffene meist ins kriminelle Umfeld (als Mitläufer, die immer erwischt werden) oder verschulden sich haushoch weil sie einfach alles unterschreiben. Auch die Gefahr drogenabhängig zu werden ist enorm. Deshalb brauchen diese Menschen lebenslang einen Betreuer und das wiederum bedeutet, dass er irgendwann in einer Wohngruppe mit engem Betreuerschlüssel leben wird, um ihn vor sich selbst zu schützen.
Ich glaube es ist diese Aussicht, die mich so fertig macht. Wie jede Mutter hatte ich mir das ganz anders vorgestellt....
Sobald der Bericht der Klinik da ist, werden wir einen Behindertenausweis beantragen. Wem wir ihn zeigen bleibt ja uns überlassen - aber wir müssen uns rechtlich und finanziell absichern.
Wenn uns das nicht sowieso klargewesen wäre, hätte uns das Beispiel von Professor Feldmann überzeugt: Einer seiner Schützlinge war bei einem Schulausflug zum Flughafen Münster-Osnabrück ein paar Minuten unbeaufsichtigt. Er fand den Generalhebel für die Sprinkleranlage - leider bei Minustemperaturen: Alle Start- und Landebahnen vereist, stundenlange Verspätungen und umgeleitete Flüge und eine Rechnung von ein paar Millionen Euro für die Eltern...
Ob er auf der Grundschule bleiben darf ist dann aber noch nicht sicher, wir wollen erst mit ihnen reden, wenn der Bericht da ist. Die Alternative wären leider nur Sonderschulen oder Schulen für schwer Erziehbare und in der ersten wäre er intellektuell unterfordert, in der zweiten in schlechter Gesellschaft. Eventuell findet sich eine Grundschule, die integrativ arbeitet aber FAS ist halt ein Spezialfall zumal Fabi so gar nicht behindert wirkt. Ich hoffe, das wir vielleicht eine Schulbegleitung der Lebenshilfe bekommen können, damit er in seiner Klasse bleiben kann.

Die nervige Abwarterei können wir uns mit Lilis Problemen verkürzen - auch wenn die weniger schwerwiegend sind... Es kristallisiert sich heraus, das Lili wohl die 4. Klasse überspringen will und laut Lydia (beste Psychologin von Welt) auch sollte. Ich bin total unentschieden, möchte mein Mäuschen eigentlich nicht so schnell groß werden lassen, habe Angst dass sie überfordert sein könnte.... mir dreht sich der Kopf wenn ich daran denke.
Aber zunächst mal müssen wir überhaupt das Gymnasium überreden, sie aufzunehmen - die Noten auf dem letzten Zeugnis waren dank des schlechten Sozialverhaltens ja nicht so toll. Ihre Motivation für die Schule zu arbeiten ist zur Zeit auch nicht die größte... ob das Springen da wirklich das Allheilmittel ist ?
Scheinbar bekämpft Lili ihre Langeweile in der Schule derzeit damit, dass sie Schüler und Lehrer manipuliert - erfolgreich :-( , einige Lehrerinnen haben bereits Angst vor ihr.
Andererseits hat sie gerade ein paar neue Freundinnen gefunden....
Meine Unschlüssigkeit bremst uns aus - noch haben wir nichts unternommen.