Samstag, 26. Dezember 2009

Weihnachten nähert sich dem Ende - irgendwie fangen wir alle unauffällig an Vorbereitungen für das große Packen zu treffen. Wäsche wird gewaschen, das Nintendo aufgeladen, die Blutegel bekommen noch einmal frischen Wasser, die letzten Zettel für D. werden geschrieben. In spätestens zwei Stunden stehen die Umzugskisten in der Küche und in 16 oder 17 Stunden fahren wir Dänemark.
Ich hoffe auf mildes Wetter und wenig tiefen Sand - die Achillessehnenentzündung, die ich mir noch zugezogen habe würde Wanderung sonst unmöglich machen.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Frohe Weihnachten Euch allen!
Die Kinder - original weihnachtlich unausstehlich - haben seit heute Ferien und obwohl ich morgen noch arbeiten muss gerate ich in Festtagslaune.
Das Haus ist halbwegs sauber, alle Einkäufe sind erledigt und die Frage ob der ausgesuchte Weihnachtsbaum auf den Hänger passt überlasse ich gern dem Göttergatten. Der sitzt zur Zeit mal wieder in Krisensitzung beim Steuerberater, aber selbst die Aussicht auf die horrenden Forderungen des Finanzamtes können mir kaum die Laune vermiesen. Immerhin ist die Umsatzsteigerung auch Ausdruck meines Erfolgs und damit nicht gänzlich schlecht. Dumm ist nur, dass wir eben nicht mit Geld umgehen können und nie etwas auf der hohen Kante haben. Irgendwann habe ich einmal einen Spruch gelesen, den wir uns auch an die Tür schreiben könnten: Hier wohnt Familie W. - über ihre Verhältnisse aber unter ihrem Niveau.
Die neue Heizung läuft bis auf den Solarteil, der noch nicht angeschlossen ist. Nachdem der erste Kranwagen angesichts des schrägen Grundstückes kapituliert hatte, hat ein bescheidener 30t Brummer dann noch die Einrichtung des Schornsteins möglich gemacht.
Gegen das triste Wetter habe ich mir heute eine CD von Adoro gegönnt und schwelge genüßlich in den süßlichen Klängen - solange sie läuft muss ich auch keine Weihnachtslieder hören. Es ist das erste Jahr in dem mir diese auf den Geist gehen. Sonst konnte ich stundenlang Stille Nacht und Maria durch den Dornwald ging hören, aber dieses Jahr haben mir die in doppelter Disharmonie bis zum Erbrechen vorgetragenen Klimperlieder der Kinder die Lust dazu verdorben. Ich werde gleich nach Weihnachten alle Weihnachtsliedernoten für Harfe und Klavier verbrennen und danach dreimal nackt um den Kreuzweg tanzen und die Musiklehrer verfluchen. Mögen sie im Fegefeuer gezwungen werden rund um die Uhr Ihr Kinderlein kommet zu hören!

Samstag, 28. November 2009

Heute habe ich endlich mit den Kindern die ersten Plätzchen gebacken: Die geliebten Ausstechkekse mit viel Zimt und Zitronenschale - selige Kindergesichter mit mehlverschmierten Händen und Jeans und die ganze Küche voller Gold-und Silberkügelchen aus Zuckermasse - so sieht das Glück aus.

Freitag, 27. November 2009

In der Mittagspause lieferte Tr...-O-Flex das Hundefutter. Die Zeit nach der Mittagspause verbrachte ich mit Wutschnauben und der guten alten Tätigkeit des Briefeschreibens:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Soeben wurde meine Praxis von einem Ihrer Fahrer "beliefert".
Er grüßte nicht; stöhnte laut: "Keine Kraft mehr!", packte drei schwere Kartons plus zwei lose Säcke auf seine Sackkarre (total überladen) und versuchte so die leicht abschüssige Einfahrt hinabzukommen. Mein Hinweis, die Karre besser nicht so voll zu packen wurde ignoriert. Natürlich fiel die Sackkarre um - Kartons, Karre und Fahrer purzelten in meinen Fliederbusch. Er lud laut maulend alles (!) wieder auf und kurvte durchs Blumenbeet in meine Praxis. Dort hielt er mir wortlos (!) das Gerät zum Unterschreiben vor die Nase. Auf meinen Hinweis hin ich müsse jetzt erst die Kartons öffnen um zu sehen ob ein Transportschaden entstanden sei grunzte er:"DA!" und klopfte auf die am Karton befestigte Rechnung. Nachdem die Überprüfung zum Glück keinen gerissenen Futtersack ergab verschwand er (ohne Gruß) und ohne das Gartentor hinter sich zu schließen.
Über eine Stellungnahme bezüglich Ihrer Vorstellung von "Service" wäre ich sehr erfreut.
Im Übrigen möchte ich darum bitten, in Zukunft von jemand anderem beliefert zu werden.
Der Name auf der Autotür las sich wie "D....." oder ähnlich, Kennzeichen war HF-XY und vermutlich 147.
Im Voraus vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen,
Tanja Walter

Alle Namen und Kennzeichen natürlich geändert bzw. unkenntlich gemacht. Inzwischen kann ich auch über den Typen lachen. Ihr auch - nehme ich an.

Dienstag, 24. November 2009

Heute morgen ziehen die Wolken so schnell vor der aufgehenden Sonne lang, als würden sie an Fäden gezogen... ein bißchen so wie die zum Trocknen aufgehängte Wäsche zwischen italienischen Mietshäusern.
Mir ziehen die Tage zu rasch vorbei, die Wolken sind mir egal.
Meine Perle ist mit Bandscheibenvorfall ausgefallen, und so müssen wir den Hausputz wieder selbst übernehmen - höchst unwahrscheinlich dass wir jemand anderes kriegen.

Sonntag, 22. November 2009

Die Sonne scheint heute nachmittag so warm, dass noch zwei Rosen auf der Terasse aufgeblüht sind. Die friedliche Stimmung draußen setzt sich fort und so wollen wir uns gleich mit dem Kaffee mal wieder mit einem Gesellschaftsspiel zusammensetzen: Wir haben uns ein yvio (schreibt man das so?) gekauft - eine kleine Spielkonsole, die man auf verschiedene Spielpläne aufstecken kann. Mal sehen, ob die Kinder das mögen.
Ich rieche Kaffee... es geht los :-).

Montag, 26. Oktober 2009

Nieselwetter draussen und in der Seele meiner Tochter. Heute kamen die ersten richtig schlechten Noten und sie hat den Blues - dabei war sie einfach nur ein bißchen hochnäsig und dachte sie müsse nicht für die Mathearbeit und den Musiktest lernen. Den Denkzettel hat sie verdient und ab jetzt geht sie hoffentlich anders an die beiden Fächer ran.
Fabi baut mit Papa seine neue Playmobil Tierklinik auf - wenn ich die beiden so beobachte bin ich wie so oft neidisch auf ihr enges Verhältnis. Mir malt Fabi keine Bilder und ganz sicher kuschelt er sich nicht so zärtlich an. Wahrscheinlich fehlt da das abendliche Zubettgehritual, er kennt es ja nicht anders als dass sein Papa dafür zuständig ist. Und auch für Arzttermine und ähnliches.... Wenn mir die Arbeit in der Praxis und der Erfolg nicht so gefallen würden, hätte ich schon längst die Kehrtwende gemacht um mich mehr um ihn zu kümmern.
Meist habe ich das Gefühl dass Lili mehr Mama braucht als er und so teile ich meine freie Zeit obendrein nicht gerecht auf. Will ich dann doch mal etwas nur mit ihm machen lehnt er es oft ab - wen wunderts...
Gut dass Guido so viel Zeit mit den Kindern verbringen kann.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Ich hätte nicht gedacht, dass ich die beiden Enten so vermisse - der Garten ist so leer ohne sie...
Heute lag obendrein unsere Zwerg-New-Hampshire- Henne tot im Hühnerstall über den Stangen - den Hals komplett gehäutet.Manche Tage möchte man einfach nur aus dem Kalender streichen können.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Drei tote Katzen und mindestens zehn ebenfalls überfahrene Hasen sind die Bilanz der knapp 1000 Kilometer auf Deutschlands Autobahnen am letzten Wochenende. Nicht dass wir eines dieser Geschöpfe überfahren hätten, aber ich kann einfach nie wegsehen wenn so eine gemordete Kreatur am Strassenrand liegt und sie gehen mir auch Tage später nicht aus dem Sinn. Wenn es stimmt dass wir am Ende unseres Lebens bei irgendwem für unsere Taten Rechenschaft ablegen müssen, dann ist jeder Autofahrer bereits verdammt.
Zu meiner Stimmung passt, dass der Fuchs die Enten geholt hat. Auch daran sind wir mitschuldig weil wir sie nicht gezwungen haben nachts im Stall oder in der Waschküche zu schlafen. Jetzt wünschen sie sich sicher sie wären etwas kooperativer gewesen und mir bleibt eine leere Badewanne im Garten und ein schlechtes Gewissen.
Eine weitere Bilanz des Wochenendes ist leider, dass meine Mutter Fabian nicht mehr länger als ein paar Stunden betreuen kann und will. Wir hatten Kinder und Hunde mit meiner Mutter zu Hause gelassen, und uns mit Freunden ein entspanntes Wochenende gegönnt. Fabi hat derweil getobt, geschrieen, gespuckt, geschimpft, geschlagen, getreten, diverse Dinge zerstört und Lili beim Lassowerfen im Gesicht verletzt.
Wie es mit ihm - und uns- weitergeht kann ich noch nicht sagen. Wir werden die Uniklinik kontaktieren, ob man ihn mit Medikamenten etwas dämpfen kann und uns nach einer Art Kurzzeitpflege umhören müssen.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Jetzt geht es mir mit diesem blog wie mit den nie geführten Telefonaten und den selten geschriebenen mails: Ich schreibe zu selten. Im Grunde kommt mir das hier zu sehr vor wie viel heiße Luft und ich frage mich wen es überhaupt interessieren mag.
Erstaunlich dass manche Menschen jahrelang und möglicherweise sogar täglich an ihrem blog schreiben. Wir haben im Kino Julie und Julia gesehen und Julia (oder war es Julie) schreibt ein Jahr lang einen täglichen blog über ihre Kocherfahrungen - die zugegebenermaßen bewußtseinserweiternd sind.
Ich könnte höchstens über meine Erfahrung mit Guidos Kochkünsten vom letzten Sonntag schreiben, aber vermutlich ist es besser diese dem geneigten Leser zu ersparen und den Schleier der Barmherzigkeit darüber auszubreiten.
Die Highlights der letzten Tage umfassten neben den ungewürzten und totgebratenen Frikadellen von Guido *ups* einen Spitzenwutanfall von Fabian samt aus der Wand gerissenem Regalbrett, eine seuchenhafte Erkältung der gesamten Familie, ein Lernwochenende mit Oberzicke Lili und einen falsch gestrickten Pulloverärmel der unbegabtesten Strickmutti des Jahrhunderts.
Bestimmt enthielten die Tage auch viel Poesie und fallende Blätter, auf jeden Fall enthielten sie einen superspannenden Lesetag mit den Tributen von Panem und den Einzug zweier frecher neuer Hennen.
Jeder Tag ist gepackt voll mit schönen und spannenden, anstrengenden und manchmal schrecklichen Dingen, aber ich leide zur Zeit am Alltags-Unlust-Syndrom. Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner Erkältung. Bestimmt.

Sonntag, 20. September 2009

Seit einigen Tagen vertreiben wir die frühherbstliche Kühle des Abends wieder mit einem Kaminfeuer. Ein kleiner Rußfleck an der Scheibe in der Form eines auffliegenden Raubvogels ließ mich gestern an einen Phönix denken, der sich aus den wild lodernden Flammen erhebt.
Ich liebe den Kamingeruch im Haus an langen Abenden bei guten Büchern und einer Flasche Rotwein. Während Guido sich durch einen Thriller schmökert folge ich der verschlungenen Geschichte Das Herz ihrer Tochter. Was zieht mich, die ich mich selbst als leicht klaustrophobisch bezeichnen würde, nur immer wieder zu Knastgeschichten? Warum lese ich, deren Phantasie täglich Schreckensvisionen malt, fasziniert von den Verlusten und Schrecken anderer? Gerade jene Dinge, die mir Angst machen ziehen mich oft magisch an - und so stürze ich Hasenherz mich wohlig schaudernd mit Begeisterung in Abenteuerliches und Gruseliges. Es ist die Erleichterung, die ich suche denn am Ende des Buches komme ich mir stets vor wie der kleine Phönix aus Ruß an der Kaminscheibe - noch einmal glücklich entkommen.

Donnerstag, 17. September 2009


Das neue Logo ist endlich da! Nun muss ich , computerblond wie ich bin, es nur noch überall einfügen. Mit dem Design bin ich sehr zufrieden, ich finde es paßt zu mir. Worauf Ihr natürlich sofort die Frage stellen könntet: Warum? Wie bist Du denn?
Wie bin ich denn? Schwierig.... Da würde ich lieber auf Eure Antworten warten als selbst ins Trudeln zu kommen ;-).
Jedenfalls können wir jetzt endlich auch die Werbung für die Autos bestellen (nicht nur unsere Autos werden damit verziert, auch auf dem Bünder Tierheimauto wird es zu sehen sein) und neue Flyer drucken lassen. Womit sich gleich die nächste Schwierigkeit ergibt: Auf den Flyern steht zur Zeit (wie auch in den Gelben Seiten) ausdrücklich: Tierärztin. Das ist natürlich völlig richtig - nur habe ich gestern den Schriftverkehr mit der Kammer der letzten Monate abgeheftet und dabei mit Schrecken festgestellt dass die mich jetzt als "niedergelassene Tierärztin mit eigener Praxis führen". Ich habe aber keine tierärztliche Praxis und ich will auch gar keine! Dann müßte ich das Werbeverbot in Kauf nehmen, ein Tierarztschild draußen aufhängen, eine Apotheke führen, jeden Patienten behandeln der vor der Tür steht usw...
Soll ich also die "Tierärztin" weiter auf die Flyer schreiben, oder lieber nicht? Was ist wenn irgendein mißgünstiger Kollege mal wieder die Kammer auf mich aufmerksam macht?
Ich überlege inzwischen ernsthaft die Approbation zurück zu geben, aber selbst dann könnten sie mir noch Ärger machen weil ich dann die Inhalte, die ich im Studium gelernt habe anderweitig verwende. Moderne Sklavenhalterei ist das!
Das ganze steht mir so bis zum Hals, dass ich seit zwei Wochen schon wieder mit Halsweh und Husten kämpfe.

Sonntag, 6. September 2009

Vorgestern wehte mit einem frostigen Hauch im Wind eine Ahnung vom Herbst heran. Heute ist es ein einfacher Spätsommertag, aber bei mir stellt sich die übliche Wehmut des Abschieds ein. Jeder sich dem Ende neigende Sommer erinnert mich an die Unwiederbringlichkeit seiner Tage, und jede Herbstaster an die Vergänglichkeit des Lebens. Andere mögen zum Jahreswechsel solche Gedanken hegen, aber ich werde im Spätsommer melancholisch.
Jetzt gilt es jeden Tag doppelt auszukosten. Vielleicht erlebe ich diese Zeit in diesem Jahr besonders intensiv - nächstes Jahr um diese Zeit wollen wir nicht hier sein und die Gartenblumen müssen ohne uns zu Ende blühen.

Freitag, 28. August 2009




























Michel aus Lönneberga hatte ich gesucht und Urwälder in Värmland haben wir gefunden. Nein, Schweden wird nie mein Favorit unter den Urlaubsländern werden, aber die Landschaft in Mittelschweden hat mich sehr beeindruckt. Südschweden erschien mir dagegen etwas fad, sehr vertraut und auf jeden Fall zu bevölkert. Wir sind gut erholt nach Hause gekommen und haben einige schöne Bilder auf den Kameras und im Herzen mitgebracht, aber nun - zwei Wochen nach der Ankunft in Vlotho - erscheint vieles schon wieder so fern. Ich versuche aber nachher ein paar Bilder einzustellen.
Lilis Start auf dem Gymnasium verläuft vielversprechend, Guidos neuer Stundenplan ohne Samstagsunterricht ist eine Freude und Fabis Integrationshelferin/ Schulbegleiterin hat bereits jetzt zu einer gewissen Entlastung geführt. Dafür ist die Heizung entgültig kaputt, der Brunnen aufgrund des trockenen Sommers praktisch leer und der Elektriker war auch schon da. Im Leben gleicht sich alles wieder aus - nur nicht das Bankkonto.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Der Magirus macht sich einen Spass mit uns. Grundsätzlich bevor wir in Urlaub wollen muss er unter dramatischen Umständen noch repariert werden. Einerseits besser als unterwegs (kleiner Trost), andererseits hasse ich es wenn meine Pläne so torpediert werden.
Guido mußte gestern auf der Rückfahrt von dem Allradtraining den ADAC rufen: Verteilergetriebe ohne ÖL - nur ein Leck oder komplett defekt? Damit fällt der Besuch bei Doro und Lothar, auf den ich mich so gefreut hatte heute aus und ob wir pünktlich oder überhaupt in den Schwedenurlaub starten können steht mal wieder in den Sternen.
Da kommen mir doch Erinnnerungen an die Geschichte mit dem Anlasser vor der Sardinientour...

Montag, 13. Juli 2009








Nachtrag: Die Kids kommen zwar beide am Samstag wieder, aber nur um sich am Montag wieder dünne zu machen ;-). Lili ist dann bei Oma Helga und Fabi macht eine Freizeit ohne Koffer der Lebenshilfe mit, d.h. er wird morgens geholt und abends wieder gebracht. Am 24. fahren wir dann mit dem Magirus - für den Rest der Sommerferien. Es kann also gut sein, dass ich erst Mitte August oder sogar noch später *räusper* wieder etwas posten kann.






Sonntag, 12. Juli 2009

Schon ist es Mitte Juli und ich habe diesen blog sträflich vernachlässigt. Und so habe ich mich frühmorgens schon an den Rechner gesetzt, während draussen die Sonne die Sintflut verdampft und einen schönen langen post geschrieben und mit Bildern geschmückt. Beim Speichern ging dann leider alles verloren - also noch mal das ganze:

Der Juli im Zeitraffer:
Lilis 9.Geburtstag war ein wunderschöner Sonnentag und ein voller Erfolg. Zwischen reichlich Büchern, Legotechnik und ferngelenktem Auto strahlte Lili mit der Sonne um die Wette. Nachmittags waren wir mit ihrer Mädelstruppe im Salz-und Zuckerland, wo sie Lollies herstellen konnten.
Gleich am nächsten Tag brachte Guido Lili nach Oelde zu einen zweitägigen Workshop Kreatives Schreiben , wo einige erstaunliche Dinge herauskamen. Hier eine Kostprobe:

das Lächeln verzweigte sich
zärtliche Linien in Baumkronen
unter einem gelben Tulpenmond
wiegen sich die Gräser hin und her
über dem Brunnen
ziehn die Wolken bis es Morgen wird

Ich bin soo stolz auf die Kleine!

Danach hatten wir ein paar gemeinsame Tage mit den Kindern. Den Sonntag verbrachten wir im Sauerland bei Freunden. An meinen beiden freien Tagen fuhren wir nach Kalkriese zur Varusausstellung und in den Allwetterzoo nach Münster (letzteres ist auch der Wetterbericht).
Die Ausstellung ist wunderbar. Arminius gemein gut geplanter Hinterhalt für die römischen Legionen wird wirklich anschaulich dargestellt. Besonders hat mich der endlos lange Zug der Zinnsoldaten beeindruckt, während die Kinder mehr von einer Installation fasziniert waren, die in Form von Stahlkugeln in einem Hindernisparcour zeigt wie wenige Römer den Angriff überlebt haben.

Freitag kam dann zum ersten Mal Isabell, die in Zukuft nicht nur die Schulbegleitung für Fabi macht, sondern auch die Elternentlastung für uns. Viel kann man noch nicht sagen - aber Fabi hatte jede Menge Spass :-).

Samstag haben wir Lili durch endlose Staukilometer und ungezählte Umleitungen nach Walsrode gebracht, wo sie diese Woche im Feriencamp bleibt.

Samstag, 27. Juni 2009

Die Zeugnisse sind da und vier unserer Schafe sind verkauft. Das ist wohl die Bilanz der Woche, wenn man von einem glücklich ausgegangenen Werkstatttermin des Vans mal absieht (zum Glück war es nur die Aufhängung der Antriebswelle, nicht die Welle selbst, die diese merkwürdigen Rollgeräusche hervorgebracht hat).
Fabis Zeugnis war besser als erwartet: Fachlich scheint er wirklich gut mitzukommen, nur in Mathe tut er sich schwer - aber auch das reicht so gerade aus. Arbeits- und Sozialverhalten hat er keins, und das steht auch drin, aber genau da soll ja nächstes Schuljahr der Integrationshelfer ansetzen.
Lilis Zeugnis... Sie hätten auch schreiben können "frech und faul". Oder etwas netter: "Sie könnte aber sie tut nicht." So hätte sich die Lehrerin eine Menge Schreibarbeit erspart. Übel übel... Deutsch eins, Musik zwei, Englisch zwei, Sachkunde drei, Sport drei, Mathe drei und Kunst vier. Arbeits- und Sozialverhalten auch drei, was eigentlich eine vier bis fünf ist. Und lauter bissige Kommentare der jeweiligen Lehrerinnnen.

Über den Verkauf der Schafe an den Wittekindshof bin ich sehr froh, auch wenn die Kinder Fines Weggang nicht so gut fanden. Aber wir konnten nicht alle Mädels behalten, und eine Zukunft als Therapieschaf für geistig oder schwerst-mehrfach-behinderte Kinder ist für ein Schaf eine wundervolle Zukunftsaussicht. Bewundert, gekrault, gefüttert bei bester Weide und mit schönem Stall - ich freue mich für die vier Hübschen.
Jetzt haben wir noch sechs Mutterschafe, von denen eines demnächst in die Wurst soll und die vier Böckchen auf der oberen Weide.

Etwas Sorgen macht mir Scarlett, die wieder einmal undefinierbare Schmerzzustände hat. Diesmal ist es der hintere Rückenbereich und ich vermute etwas Neurologisches. Auf den Röntgenbildern haben wir nichts finden können und ich möchte sie wirklich am liebsten mal im CT durchchecken lassen, habe aber Angst vor dem Ergebnis. Manchmal will man es gar nicht wissen, und doch.... durch meinen Kopf geistern wieder mal die schlimmsten Schreckgespenster und ohne klare Diagnose werden sie sich nicht verdrängen lassen.

Heute haben wir Kirschen und schwarze Johannisbeeren geerntet und gleich die erste Runde Marmelade gekocht. Da wartet morgen noch jede Menge Arbeit auf uns, aber erst mal - und darauf freue ich mich sehr - wollen wir nach Spenge auf das Mittelalterfest. Passend zu meiner sonntäglichen Stimmung klart draußen gerade der Himmel auf und die Gewitterschwüle zieht ab.

Sonntag, 7. Juni 2009

Vor einigen Jahren hat uns mal jemand ein Foto geschenkt. Darauf guckt ein kleiner Hund unter der Bettdecke hervor - zwischen zwei Paar Füßen. Darunter stand: The essence of sunday.
Als wir heute morgen mit den Settern durch das Bett tobten mußte ich wieder an das Bild denken - es drückt das glückselige Sonntagmorgengefühl aus, wenn kein Wecker zum Aufstehen drängt und der Tag voller Harmonie und Wärme beginnt.
Heute haben wir Fabis 5. Ankunftstag gefeiert, der ja eigentlich am Freitag war. Erst sind wir zum Stadtfest gefahren, wo unser Duo Infernale eine geschlagene halbe Stunde buchstäblich in den Seilen hing - auf dem Trampolin, bevor es mit viel Gelächter die Raupenfahrt rückwärts und vorwärts genoss. Danach ging es ins Kino wo wir uns Nachts im Museum 2 angeschaut haben. Ich bin mir nie sicher, wieviel Fabi wirklich versteht, wenn er einen Film guckt, den ich nicht unterbrechen und immer wieder erklären kann, aber er hatte jedenfalls viel Spaß. Viel Spaß hatte ich auch an Lili, der auf dem Parkplatz auffiel dass Oma recht steif aus dem Auto krabbelte: Oma, vielleicht solltest Du zweimal die Woche zur Gymnastik gehen - damit Du elastischer wirst.
Heute abend hatte ich dann weniger Spass mit ihr. Nachdem sie wieder mal beim Harfe üben nur die guten Stellen übte anstatt sich mit ihren Fehlern zu beschäftigen, und mich dann noch anzickte dass Harfe spielen mache keinen Spass mehr weil ich zu viel meckere, habe ich Harfe und Zubehör ins Gästezimmer geschafft. Jetzt kann sie da ganz alleine und ungestört üben und ich muss mir das Theater meiner Oberzicke, die das Harfespiel derzeit nur noch zum Angeben nutzt, nicht länger anhören. Wenn sie so weiter macht bin ich allerdings dafür den Unterricht mal für eine Weile zu streichen.
Lilis fehlende Arbeitsmoral macht mir auch in schulischen Dingen schwere Sorgen und läßt uns immer wieder aneinander krachen. Ich bin selbst recht faul, und ich sehe dass sie sich die gleichen Schwierigkeiten und Enttäuschungen einhandelt wie ich und wahrscheinlich auch erst spät erkennt, dass ihre Unzufriedenheit und das mangelnde Selbstbewußtsein hausgemacht sind. Wer würde sein Kind nicht davor schützen wollen. Aber natürlich bringt all der Druck gar nichts außer Gegendruck bei meiner starken Tochter. Ich würde sie ja liebend gern mal in Ruhe lassen und zuschauen, wie sie aufläuft - nur läßt diese Gesellschaft den Kindern dafür keine Zeit und Möglichkeit. Das ganze Gerede über weniger Leistungsdruck und Auslese ist hanebüchen (komisches Wort - woher kommt das eigentlich ?), denn die Realität zeigt dass ständig heftig gesiebt wird. Das Konzept einer Gesamtschule wäre für Lili vielleicht das Richtige - aber da Gesamtschulen hier den Ruf haben auf niedrigem Niveau zu unterrichten, kommt das kaum in Frage, denn unterfordert und mit zu vielen Wiederholungen gequält wird Lili vor allem eins: unerträglich.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Grossartig. Lili bringt ihre erste 5 nach Hause. In Mathe natürlich - sie hat nur knapp die Hälfte der Aufgaben überhaupt bearbeitet und im ersten Teil noch zwei Flüchtigkeitsfehler eingebaut. Sie ist nicht mal besonders geknickt.
Fabi ist dagegen auf die Idee gekommen in der Pause auf den Schulhof zu pinkeln, hat sein liebevoll gemachtes Eibrot nicht gegessen und hat dafür alle für die Hausaufgaben erforderlichen Materialien in der Schule gelassen.
Jetzt wünsche ich mir verzweifelt einen freien Nachmittag, zwei nette Freundinnen als Begleitung und 1000 Euro zum shoppen... stattdessen koche ich Nudeln mit Schinken-Sahne-Sosse und bereite mit auf die Abendrunde in der Praxis vor.
Ich hoffe nur, Guido kommt nicht auch noch mit schlechten Nachrichten nach Hause.

Dienstag, 2. Juni 2009

Eine Weinbergschnecke steckt nicht zuerst Kopf und Fühler aus ihrem Haus, wie ich immer annahm, sondern stülpt zunächst das Körperende aus. Dann erst folgt die vordere Hälfte, die sich auskrempelt wie ein zerknüllter Kindersocken. Die langen Fühler mit den Augen an den Enden erscheinen zuletzt.
Wo ist der Sinn verborgen? Hat die Schnecke noch ein anderes uns unbekanntes Sinnesorgan, das ihr die vorsichtige Vorausschau ermöglicht? Oder stürzt sie sich blindlings schnecken-langsam in mögliche Gefahren? Welchen Sinn kann es haben, sich zum Schutz in sein Haus zurückzuziehen wenn man es dann wieder verläßt ohne vorher aus dem Fenster gesehen zu haben.
Ist das Sicherheitsbedürfnis einer Weinbergschnecke weniger ausgeprägt als das eines Igels oder eines Menschen?
Hat sie überhaupt Bedürfnisse? Oder handelt es sich bei der Entwicklung des Schneckenhauses lediglich um einen evolutionären Faktor, der nur auf der Basis des Zufalls zum Vorteil gereichen kann - aber nicht zu einem möglichen maximalen Nutzen mit der Schnecke verlinkt ist. Und wenn das so ist - läßt sich über solche fehlenden Verbindungen die Grenze zwischen höheren und niederen Lebensformen definieren? Handelt es sich um dieselbe Grenze, die Wesen mit Bewußtsein von den Unbewußten trennt?

Sonntag, 24. Mai 2009

Die drei Tage auf dem Selbstfahrertreffen in Brakel haben mir gut getan. Bei super Wetter, prima Verpflegung und mit gut gelaunten Kindern und enorm hilfsbereitem Ehemann konnte ich so richtig entspannen. Lili war praktisch die ganze Zeit verschwunden um Fußball zu spielen, die Nächte hat sie im Zelt verbracht und mit der Taschenlampe den zweiten Eragonband gelesen.
Mitgebracht habe ich nebst einem Sonnenbrand und vielen Eindrücken zum Thema Truck-Ausbau und Reisen einige nette Kontakte und eine keimende Freundschaft.
Ansonsten sind Haus und Hof auch ohne uns stehen geblieben - nur der Filter in Lilis Aquarium hat seinen Geist aufgegeben, ich hoffe aber durch den sofort durchgeführten radikalen Wasserwechsel die Fische gerettet zu haben.
Und wir warten immer noch dringend auf Regen für die Schafweide.

Sonntag, 17. Mai 2009

Jetzt sitze ich hier genauso ratlos, wie jeder Laie auch. Nachdem die Brut unserer Ente schon zu lange dauert, sich die Eier im warmen Wasser auch nicht bewegen habe ich eins aufgemacht. Sicher war ich, dass der Inhalt verfault oder erst gar nicht befruchtet war, nach dieser letzten Absicherung wollte ich die Ente dann wieder in den Garten zum Erpel lassen. Nur leider ist der Inhalt ein schätzungsweise 15 Tage alter Embryo gewesen, der ganz gut entwickelt aussah. Was nun. Ich kann sie doch nicht weiter wochenlang einsperren in der Hoffnung, dass die Entwicklung weitergeht. Aber alle Küken wegwerfen, obwohl vielleicht doch noch einige schlüpfen könnten, das bringe ich auch nicht über mich. Das die Last solcher Entscheidungen immer bei mir liegt ist oft erdrückend, heute wieder besonders.
Guido ist mit den Kindern zu Schwiegermutter gefahren, ich bin wegen Husten und Erkältung entschuldigt. Nun sitze ich hier im total vernachlässigten Haushalt und fange zur Erholung erst mal mit aufräumen und putzen an. Und grüble dabei über die Laufenteneier. Wie sehr habe ich mir diese Küken gewünscht, aber um ganz ehrlich zu sein hat die Ente keine rechte Lust mehr zum Brüten. Das sollte den Ausschlag geben denke ich.
Ansonsten ist hier etwas Erleichterung eingekehrt nach der Entscheidung des Jugendamtes Fabian ab Beginn des 2. Schuljahres einen Integrationshelfer zur Seite zu stellen. Zumindest erst mal für ein halbes Jahr - dann sehen wir weiter. In einem Jahr wollen wir ja sowieso erst mal weg - das haben wir denen natürlich nicht gesagt. Wenn ich mir Fabis Probleme in Mathe so anschaue kann es durchaus sein, dass wir nach der Rückkehr vielleicht doch über eine Förderschule nachdenken sollten. Aber warten wir erst mal das zweite Schuljahr ab - und soweit ich weiß ist es auch möglich Kinder mit Dyskalkulie in der Regelschule zu lassen, warum dann nicht auch Fabi. Kommt Zeit kommt Rat wie mein Papa jetzt sagen würde.
Der fehlt mir zu Zeit wieder öfter.

Dienstag, 12. Mai 2009

Jetzt habe ich einen langen lustig launigen Text über unser Wochenende geschrieben, und ich dumme Nuss lösche ihn aus Versehen beim Korrekturlesen.
So bleibt das Wochenende im Dunkeln der Geschichte.

Sonntag, 3. Mai 2009

Wer nur Schwiegermütter für anstrengend hält sollte es mal mit einer Mutter probieren. Der 76. Geburtstag am Dienstag macht bei insgesamt fünf geladenen Gästen minutiöse umfangreiche Planungen und Diskussionen und noch umfangreicheres Essen nötig. Entscheidender Faktor ist das absolute und bestens vorbereitete Wohlbefinden Tante Christas. Mamas kleine Schwester - anspruchsvoll, angeberisch und höchst kritisch - muss um jeden Preis zufrieden gestellt werden. Wer denkt da schon an Termine der eigenen Kinder oder Zu-Bett-Geh-Zeit der Enkel.

Lilis Ankunftstag, den wir gestern mit einem Ausflug zum Ziegeleimuseum feiern wollten entpuppte sich auch als schwierig. Zwar war die Wahl des Ziels ein voller Erfolg, aber die zu feiernde Person leider in denkbar schlechtester Stimmung.

Dafür ist am Freitag völlig unerwartet einer meiner Patienten gestorben und ich muss noch eine Karte schreiben und die Besitzer auch anrufen.

Aber die langsam nachlassende Heiserkeit, die durch den Nebel dringende Sonne und Fabians fröhliches Lächeln lassen den Montagmorgen gleich viel besser aussehen. Womöglich halten sich sogar die Fliederblüten noch, so dass die Kinder morgen kleine Fliedersträuße übergeben können. Das wird das I-Tüpfelchen auf dem perfekten Event, denn keine Blume liebt Mama mehr.

Dienstag, 21. April 2009

Sonntag morgen und unsere hübsche Ente ist verschwunden. Suchgänge im Garten und Vermisstenmeldungen bei den Nachbarn - schließlich Suchanzeige im HüFo nach neuer Ente und hektisches googeln nach Laufizüchtern in der näheren Umgebung. Mittags noch eine letzte Kontrolle im Ziergarten: Da ist sie! Unter dem mittleren Kirschlorbeer, ganz hinten duckt sie sich auf einem tiefen, mit Blättern abgedecktem Loch mit vielleicht neun Eiern drin :-).
28 Tage brüten Enten - das wäre einfach zu schön!

Freitag, 10. April 2009

Dutzende von Hummeln brummeln durch Vogelmiere und Gundermann und was das Terassenbeet sonst noch an Unkraut her gibt. Dazwischen ein paar Narzissen, die den Frühling einläuten.
Der Karfreitagsfisch brutzelte auf dem Grill, während Fabi begeistert aber heiser von seiner Freizeit erzählt. Offensichtlich waren all meine Sorgen über seine speziellen Bedürfnisse ebenso überflüssig wie jene über die offensichtlich schlechte Organisation der Tour. Sie waren im Safaripark Stukenbrock (und die Frau hat das wirklich gut erklärt), schwimmen (aber ich habe gesagt, dass ich Nichtschwimmer bin und dann durfte ich ins Nichtschwimmerbecken) und das Essen war anscheinend auch in Ordnung (nicht so eine Pampe, also ich habe auch richtiges Fleisch bekommen).
Er ist aber auch überglücklich wieder zu Hause zu sein, und der kleine Umbau seines Zimmers (neues Bett, ein paar rote Regalbretter und bunte Vorhänge vor Regal und Kleiderschrank) gefällt ihm unglaublich gut.
Heute ist er immer noch müde, aber die Stimme macht so langsam wieder mit. Gegen eins können wir Lili abholen - jetzt hoffen alle, dass sie in besserer Stimmung von der Ostsee wiederkommt. Selbst Fabi wünscht sich dass sie in guter Laune ist, dann spielt sie vielleicht mal wieder mit mir. Der Familienfrieden war die letzten Wochen in Streit, Lügen und Ärger in der Schule leider verloren gegangen, aber mir war nicht aufgefallen wie sehr auch Fabian unter Lilis Benehmen gelitten hat.

Sonntag, 29. März 2009











Heute war endlich Frühling! Ich konnte nicht widerstehen und habe mich der Länge nach auf den noch eiskalten nassen Lehmboden zwischen die Schafe gelegt. Ich liebe ihre sanften fragenden Berührungen, wenn sie mich beschnuppern.

Sonntag, 15. März 2009

Der Regen fällt in feinen Fäden, beständig und ausdauernd aus dem eintönigen Grau. Den ganzen Tag ist es nicht wirklich hell geworden und wir haben den Sonntag wie schon den gestrigen Tag mit Tee, Kerzen und ruhigen Beschäftigungen verbracht. Fabians Prinzenpuzzle ist endlich fertig geworden und wartet jetzt zusammengerollt auf Kleber und Brett, damit es aufgehängt werden kann; und ich habe Guido aus Tintenherz vorgelesen. Wie lange sind wir dazu nicht mehr gekommen.. Auch Lili war heute entspannt, nachdem wir gestern fast 3 Stunden mit ihr Köpfchenarbeit betrieben haben - Mathe, Bio, Englisch... sie saugt alles auf wie ein Schwamm und kann nie genug lernen. Heute konnte sie dann ganz ruhig sein und beim puzzeln helfen, jetzt wechselt sie gerade Wasser in ihrem Aquarium.
Selbst der Blick aufs Konto war heute erfreulich - das Finanzamt hat die Eigenheimzulage überwiesen, wir waren der Meinung dieses Jahr keine mehr zu bekommen. Jetzt kann ich mir den interaktiven Französischkurs leisten, mit dem ich schon so lange flirte. Sollten wir trotz der angespannten Lage im Nordwesten Afrikas die geplante Strecke nächstes Jahr fahren, werde ich mich mit besseren Sprachkenntnissen viel sicherer fühlen. Und wenn wir doch nach Kapstadt verschiffen müssen, dann habe ich eben was fürs Leben gelernt ;-). Außerdem lässt sich Lili vielleicht mit dem Programm auch ködern.
Dennoch können wir nicht den ganzen Tag abschalten - Guido telefoniert gerade mit der FAS-Selbsthilfegruppe, denn der Kreis hat unsere Anfrage nach einem Schulbegleiter für Fabi ans Jugendamt (?!?!) weitergeleitet mit der Begründung, der Junge sei ja normal intelligent und nicht körperbehindert, und deshalb sei das Jugendamt zuständig.
Obendrein macht die Tierärztekammer Ärger mit einer Nachforderung von über 1000 Euro, weil ich jetzt rückwirkend doch als Tierärztin mit Praxis eingestuft werden soll. Das liegt bei der Anwältin - Magenschmerzen macht es mir doch. Nicht so sehr wegen des anderweitig dringender benötigten Geldes (die Praxis bräuchte wirklich ein neues Magnetfeldgerät), sondern einfach nur wegen der Mißstimmung, die in der Luft hängt wie eine giftige Wolke.
Warum können unklare Dinge nicht in freundlichen persönlichen Gesprächen geklärt werden, sondern kommen immer gleich in formellen Schreiben mit Rechtsbehelfsbelehrung. Das Leben ist zu kurz für diese unpersönlichen Urteile und unnötigen Drohungen zwischen Menschen, die gar nicht den selben Informationsstand haben. Aber der Informationsstand beider Seiten wird erst im zweiten oder dritten Widerspruch auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Was für eine Vergeudung von Zeit und Nerven aller.

Donnerstag, 12. März 2009

Der Amoklauf tobt durch die Medien. Guido läuft nur noch mit blassem Gesicht herum. An seiner Schule gab es letztes Jahr schon einmal konkrete Drohungen und sogar eine Ankündigung.
Einer seiner Schüler ist schwerst psychotisch und eine ständige Gefahr. Er schreibt Drohbriefe an Lehrer und glänzt mit düsteren Sprüchen man werde schon sehen. Man kann ihn nicht einfach in eine geschlossene Abteilung einweisen. Man kann ihn aber auch nicht von der Schule verweisen, dann würde er wahrscheinlich sofort durchdrehen - aber ihn an der Schule zu ertragen ist auch nicht einfach. Wird ihm der Alptraum in Winnenden jetzt noch Auftrieb geben? Ist es wirklich klug von der Presse so viel über den Täter zu schreiben und sein Portrait zu veröffentlichen? Reizt so viel publicity nicht zum Nachahmen? Und so geht Guido mit schlechtem Bauchgefühl zur Arbeit und ich sitze hier und versuche mich abzulenken.

Sonntag, 8. März 2009

Die ausgefallene Heizung bei Blümchen am Donnerstag quittiert mein Körper noch abends mit Schüttelfrost und Fieberschüben in der Nacht. Übers Wochenende entwickelt sich eine ungesunde Mischung aus Magen-Darm-Infekt und Schleimhautentzündung - kein Wunder bei dem stressfreien Leben hier. Und so liege ich bei Haferflocken und Pfefferminztee hilflos in der Ecke und sehe mürrisch zu, wie mein Wochenende vorbeidämmert.
Draußen spielt der März April und drinnen tut meine Tochter das Gleiche. Ich sehne mich dringend nach ein paar ruhigen Tagen, aber kaum ist einer in Sicht schon schlägt das schlechte Gewissen zu und hält mir all die unerledigten Dinge vor. Da ist so ein bißchen Bauchschmerz richtig praktisch - wenigstens schweigt das Gewissen.
Ich nehme an, Sirius Gewissen schweigt auch - jedenfalls schläft er selig auf Couch. Viel bequemer als die arme Katze draußen auf der Birke, auf die er sie heute morgen gejagt hat.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Ich beruhige mich gern damit einen guten deal mit dem Schicksal geschlossen zu haben. So lange ich all diese kleinen alltäglichen Katastrophen erleide, so lange werde ich von den großen verschont bleiben. Das heißt wenn der Wäschetrockner seinen Geist aufgibt, die ganze Futterdose im Aquarium landet, die Bremsbeläge des Vans anfangen zu quietschen, die Ente niest und meine Tochter lügt dass sich die Balken biegen, so lange der Weidenzaun durch Frostschaden vor sich hinbröckelt, der Hund abhaut, der Hahn aus dem Leben scheidet und der Rechner abstürzt, so lange wird keiner meiner Lieben sterbend im Strassengraben enden oder der Arzt Leukämie diagnostizieren. Jedenfalls so lange das alles an einem Tag passieren kann.
Oh happy day !! :-)

Mittwoch, 18. Februar 2009

Das Leiden der Lämmer. Wieso sind die armen Würmchen mit der Flasche nur so schlecht durchzubringen? Lämmerverluste von 10% sind normal bei Flaschenlämmern sagt man, aber wenn die eigenen beiden zu den 10% gehören ist das so unendlich traurig. Eines mußte ich einschläfern, das andere liegt mit scheinbar unstillbarem Durchfall im heugefüllten Karton neben dem Sofa und stirbt mir vielleicht in den nächsten Stunden unter den Händen weg.
Wozu kommt so ein kleines hoffnungsvolles Leben auf die Welt, nur um sie nach wenigen Tagen so elend wieder zu verlassen?

Sonntag, 8. Februar 2009

Ich bremse - meine Tochter steht auf Vollgas. Lili ist fest entschlossen, den Sprung zu schaffen und hat uns einen Vertrag angeboten, den wir nicht ablehnen können. Darin steht dass sie springen will, und dafür bereit ist ohne Zicken und Murren regelmäßig extra zu lernen und dass wir uns im Gegenzug verpflichten sie zu unterstützen mit Zeit, Erklärungen und Material. Wir haben darauf bestanden, dass zunächst eine Lernstanderhebung gemacht wird, damit wir was in der Hand haben und wissen wo sie wirklich steht. Dafür heißt es jetzt erstmal einen Termin besorgen - die Sache kommt also langsam tatsächlich ins Rollen. Hoffen wir dass das Gymnasium auch mitspielt und wir nicht Gott-weiß-wo eine aufnehmende Schule suchen müssen....

Fabi ist seit gestern wieder mehr auf Kontra. Seit der Diagnose sind wir deutlich geduldiger mit ihm, aber durchgehen lassen wir auch nichts. Für eine Woche schien das das Zaubermittel zu sein, jetzt entlarvt sich das mal wieder als Trugschluss. Wie immer war es eine (zufällige) Atempause zwischen den schwierigen Phasen und hatte rein gar nichts mit unserem Erziehungsstil zu tun. Da haben wir das doch gerade erst erklärt bekommen, und fallen wieder darauf rein.
Aber nicht erziehbar ist eine schwer verständliche Vorstellung. Immer wieder verfallen wir in den Fehler nach dem Schlüssel zu suchen, und immer wieder stellen wir fest dass das Schloss sich dauernd ändert.

Damit uns nicht langweilig wird hängen wir in einer Border-Collie-Vermittlungsgeschichte (ausgerechnet Border ;-) ), die Zeit und Nerven kostet aber hoffentlich morgen ein glückliches Ende für den hübschen Rüden findet. Ich muss gestehen mich packen Mordgelüste wenn ein Hund mit eingeklemmtem Schwanz vor seinem Herrn in die Wälder flüchtet - und fünf Tage auf Trebe bleibt. Dass selbige Herrschaften dann auch noch plötzlich unglaublich besorgt sein wollen - obwohl sie ihn gleichzeitig möglichst schnell los sein möchten, weil die örtliche Jägerschaft ihnen Schwierigkeiten macht - hebt meine Laune auch nicht gerade. Ehrlich, diese Leute sollten mir besser nicht im Dunkeln begegnen.

Dienstag, 3. Februar 2009

Manchmal dreht sich die Welt im Laufe eines Tages so schnell, dass man schwindelig wird und gegen Abend zu fest aufschlägt. Da hilft es auch nichts, dass man die Karusselfahrt hat kommen sehen - oder zumindest erahnt hat. Man tut sich trotzdem weh.
Seit letztem Sommer war zumindest mir klar, dass mit Fabian etwas grundsätzliches nicht stimmt. Ich war nie blind gegenüber den Fehlern derjenigen die ich liebe und darum habe ich darauf gedrängt ihn noch einmal (das wievielte Mal?) untersuchen zu lassen. Nach all dem was wir schon gemacht haben blieben nach meinem Gefühl nur noch zwei Sachen: die Uniklinik Münster wegen Verdacht auf FAS und die Kinder-und Jugendpsychatrie in Bad Salzuflen wegen Verdacht auf ich weiß nicht was. Freitag war Termin und es ist amtlich: Fabi hat mit 100%iger Sicherheit ein Fetales Alkohol Syndrom und ist damit behindert.
Auch wenn wir froh sind, endlich eine klare Diagnose zu haben ist es ein Schock zu wissen, dass er nie ein eigenständiges Leben ohne Betreuung wird führen können. Es wäre unverantwortlich das zu ignorieren.
Die Symptome kennen wir natürlich zur Genüge, aber zum ersten Mal ist klar das sie alle zusammengehören: Fabi ist distanzlos und sehr vertrauensselig und beeinflussbar auch von Wildfremden, kann mein/dein und gut/böse nicht unterscheiden, hat kaum Impulskontrolle, kann die Konsequenzen seiner Handlungen nicht voraus- oder einsehen, ein sehr schlechtes Gedächtnis, kein Zeitverständnis, eine Aufmerksamkeitsstörung, erträgt keine Änderungen im Tagesablauf, kaum Eigenantrieb, einen Hang zur Verbreitung schlimmster Lügenmärchen, keine Frustrationstoleranz, kaum Sinn für Gefahren, eine schlechte Feinmotorik (das geringste Problem) usw.
Jetzt wissen wir aber auch, dass das Beste worauf man hoffen kann ist mit viel Therapie eine leichte Verbesserung zu erreichen, aber in den meisten Fällen werden vor allem die Wutausbrüche in der Pubertät noch schlimmer, auch die Neigung zum Zündeln. Vielleicht hilft uns Fabis für FAS untypisch hohe Intelligenz, vielleicht wird aber auch gerade das zum Problem weil ihm intelligenterer gefährlicher Unsinn einfällt?
Als Jugendliche geraten unentdeckte oder zu wenig beaufsichtigte Betroffene meist ins kriminelle Umfeld (als Mitläufer, die immer erwischt werden) oder verschulden sich haushoch weil sie einfach alles unterschreiben. Auch die Gefahr drogenabhängig zu werden ist enorm. Deshalb brauchen diese Menschen lebenslang einen Betreuer und das wiederum bedeutet, dass er irgendwann in einer Wohngruppe mit engem Betreuerschlüssel leben wird, um ihn vor sich selbst zu schützen.
Ich glaube es ist diese Aussicht, die mich so fertig macht. Wie jede Mutter hatte ich mir das ganz anders vorgestellt....
Sobald der Bericht der Klinik da ist, werden wir einen Behindertenausweis beantragen. Wem wir ihn zeigen bleibt ja uns überlassen - aber wir müssen uns rechtlich und finanziell absichern.
Wenn uns das nicht sowieso klargewesen wäre, hätte uns das Beispiel von Professor Feldmann überzeugt: Einer seiner Schützlinge war bei einem Schulausflug zum Flughafen Münster-Osnabrück ein paar Minuten unbeaufsichtigt. Er fand den Generalhebel für die Sprinkleranlage - leider bei Minustemperaturen: Alle Start- und Landebahnen vereist, stundenlange Verspätungen und umgeleitete Flüge und eine Rechnung von ein paar Millionen Euro für die Eltern...
Ob er auf der Grundschule bleiben darf ist dann aber noch nicht sicher, wir wollen erst mit ihnen reden, wenn der Bericht da ist. Die Alternative wären leider nur Sonderschulen oder Schulen für schwer Erziehbare und in der ersten wäre er intellektuell unterfordert, in der zweiten in schlechter Gesellschaft. Eventuell findet sich eine Grundschule, die integrativ arbeitet aber FAS ist halt ein Spezialfall zumal Fabi so gar nicht behindert wirkt. Ich hoffe, das wir vielleicht eine Schulbegleitung der Lebenshilfe bekommen können, damit er in seiner Klasse bleiben kann.

Die nervige Abwarterei können wir uns mit Lilis Problemen verkürzen - auch wenn die weniger schwerwiegend sind... Es kristallisiert sich heraus, das Lili wohl die 4. Klasse überspringen will und laut Lydia (beste Psychologin von Welt) auch sollte. Ich bin total unentschieden, möchte mein Mäuschen eigentlich nicht so schnell groß werden lassen, habe Angst dass sie überfordert sein könnte.... mir dreht sich der Kopf wenn ich daran denke.
Aber zunächst mal müssen wir überhaupt das Gymnasium überreden, sie aufzunehmen - die Noten auf dem letzten Zeugnis waren dank des schlechten Sozialverhaltens ja nicht so toll. Ihre Motivation für die Schule zu arbeiten ist zur Zeit auch nicht die größte... ob das Springen da wirklich das Allheilmittel ist ?
Scheinbar bekämpft Lili ihre Langeweile in der Schule derzeit damit, dass sie Schüler und Lehrer manipuliert - erfolgreich :-( , einige Lehrerinnen haben bereits Angst vor ihr.
Andererseits hat sie gerade ein paar neue Freundinnen gefunden....
Meine Unschlüssigkeit bremst uns aus - noch haben wir nichts unternommen.

Montag, 12. Januar 2009

Das A. im Sommer mich und die Praxis auf menschlich so enttäuschende Weise verlassen hat habe ich inzwischen gut verkraftet. Heute mußte ich allerdings hören, dass sie meinen Kunden Weihnachtkarten geschrieben hat - sie hat also tatsächlich Adressen mitgenommen. Sicherlich ist das ungesetzlich aber sie spekuliert ganz richtig darauf, dass ich nicht offiziell gegen sie vorgehen werde. Das ist mir einfach zu aufreibend. Schlimm genug, dass ich nun alle alten Kunden fragen werde, ob sie auch angeschrieben wurden, und dazu Stellung nehmen muss.

Freitag, 9. Januar 2009

Weihnachten und Urlaub sind vorübergeflogen, aber dennoch geruhsamer verlaufen als es sich in der Vorweihnachtszeit andeutete. Selten bin ich so gut erholt aus Dänemark wiedergekommen - ich mußte nicht arbeiten, das Wetter war herrlich, die Kinder gut gelaunt und die Hunde gesund. Auch die Rollstuhldackeline war die reinste Freude: Immer gut gelaunt rollte sie den Strand entlang und war ein Bild der Lebensfreude.
Lebensfreude: Das ist es was man einem gesunden Hund täglich ansieht, und diese Freude färbt auf uns ab und macht uns Hundehalter zu den glücklicheren Menschen. Zu sehen mit welcher Kraft Scarlett die Dünen hinunterjagte nur um des Laufens Willen, wie Eila die Nase und die Ohren in den salzigen Wind hielt und Sirius sich nur aus Übermut auf dem vereisten Strand wälzte - das macht glücklich.
Wann sind wir so haltlos glücklich? Wenn wir sehr jung und sehr verliebt sind vielleicht. Als Kinder wenn uns Eltern und Lehrer lassen. In kurzen Momentaufnahmen, die kaum die nächste Stunde überdauern.

Ich versuche die Stimmung ein wenig länger zu bewahren, freue mich über die schneebedeckte Postkartenidylle, den Spatz am Futterbrett und die Fasanenfamilie, die während der Ferien in unserem Garten eingezogen ist. In der Praxis ist es wetterbedingt etwas ruhiger (die Kinder im Schnee glücklich zu sehen, ist auch eine gute Therapie....) und ich kann auch das genießen.

So verkraften wir alle den ersten Tiefpunkt des Jahres etwas besser: Lilis Klassenlehrerin von der für unser sensibles Kind so viel abhängt ist schwanger und wird vermutlich nicht mehr lange da sein. Das bedeutet auf jeden Fall neue Ansprechpartner und erhebliche Unruhe mit wechselnden Vertretungen und möglicherweise auch Schlimmeres (Eine der Lehrerinnen, die die Klasse ab Sommer übernehmen könnten ist ausgerechnet die Religionslehrerin). Bis jetzt hält sich Lili - nach dem ersten großen Tränenausbruch - recht tapfer und benimmt sich in der Schule einigermaßen. Ich denke für sie ist das der erste Liebeskummer, aber eben leider nicht das erste Mal Verlassenwerden. Und wie jede Mutter hätte ich sie gern noch lange davor beschützt.