Weihnachten war so wunderbar weihnachtlich diesmal dass es fast an ein Weihnachtswunder grenzt. Was vielleicht an meiner Weigerung lag den Weihnachtsstress durch den üblichen Kirchgang noch zu verschärfen - oder an der gelungenen Menüzusammenstellung, selten habe ich mit so wenig Arbeit fünf Gänge auf den Tisch gezaubert. Es war das erste Weihnachtsfest, bei dem Lili am tradtionellen Heiligabendfondue teilnehmen durfte und sie hat so viel und so lange wie möglich gegessen um nur nicht ins Bett zu müssen, vermutete ich. Eine neunjährige, die anderthalb Stunden lang ununterbrochen isst ist ein recht erstaunlicher Anblick.
Der Urlaub in Dänemark begann als Volltreffer: Das billigere Haus in Lildt Strand war großzügig geschnitten, wunderschön eingerichtet und mit einer sehr preiswerten Ölheizung ausgestattet. Zwar hatten wir dieses Mal Nachbarn, so dass wir die Hunde nicht einfach alleine rauslassen konnten wie gewohnt, aber in der zweiten Urlaubshälfte erwiesen sich die Nachbarn als angenehme Rückversicherung, Wir sind nämlich eingeschneit. Und zwar so gründlich, dass wir mehrere Tage länger bleiben mußten als geplant und die Lebensmittel irgendwann zur Neige gingen. Das war eine interessante Erfahrung, die ich jedoch nicht unbedingt wiederholen möchte.
Lili hat den Urlaub genutzt, um ihre erste Power-Point-Präsentation zu erstellen und Fabi um das nächtliche Lebensmittelklauen zu perfektionieren. Letzteres führt bei allgemeiner Lebensmittelknappheit zu erhöhter elterlicher Begeisterung, wie sich jeder vorstellen kann.
Bei der Rückkehr waren die meisten Dinge im Lot, wenn auch mit dem üblichen Kleinchaos. So hatte D. tagelang kein warmes Wasser für die Praxis und dafür jede Menge kaltes Wasser im Keller, weil die neue Heizanlage undicht war und der Schnee türmte sich auch hier in respektablen Bergen.
Die Schulen hielten sich glücklicherweise bedeckt was unsere verspätete Rückkehr anging, nur Guido muss die Tage nacharbeiten. Leider kam Lili dann gleich mit der nächsten 5 in Mathe nach Hause und legte gleich noch eine schlechte Deutscharbeit oben drauf - letztere allerdings versüßt durch die Aussage der Lehrerin, dass sich Lilis Arbeitverhalten im Unterricht dramatisch verbessert habe. Tatsächlich hat sie ihr Fehlverhalten wohl in den Erdkundeunterricht verlagert - der entsprechende Brief des Lehrers fand sich gestern zufällig in ihrem Tornister.
Fabian hat mir den ersten heftigen Streit mit Isabell, der I-helferin beschert. Sie findet, dass ich den Jungen quäle, wenn ich darauf bestehe dass er die Matheaufgaben zu Ende führen soll. Zwanzig Minuten seien mehr als genug meint sie. Zwanzig Minuten rechnen sind allerdings mehr als genug, nur leider bockt Fabian vierzig Minuten herum bevor er überhaupt anfängt zu rechnen. Bin ich zu geprägt durch die Hundeerziehung? Ich kann ihm doch nicht durchgehen lassen, keine Aufgaben zu machen weil er es schafft zwanzig Minuten lang nichts zu tun. Damit bestärke ich ihn ja noch in seinem Verhalten. Oder sehe ich das völlig falsch und das arme Kind leidet unter meinem übertriebenen Ehrgeiz? Nur merkwürdig dass ich die exakt gleiche Diskussion einst mit Lilis Grundschullehrerin geführt habe.
Am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass man mir sagt ich sei eine schlechte Mutter, weil ich mich nicht die ganze Zeit danebensetze und die Hausaufgaben kleinschrittig begleite. Ich halte es aber immer noch für wichtig Kinder zum selbständigen Arbeiten zu erziehen. Und das gilt - in Maßen und mit Augenmaß natürlich - auch für Freund Fabian.
Sonntag, 17. Januar 2010
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