Eine Weinbergschnecke steckt nicht zuerst Kopf und Fühler aus ihrem Haus, wie ich immer annahm, sondern stülpt zunächst das Körperende aus. Dann erst folgt die vordere Hälfte, die sich auskrempelt wie ein zerknüllter Kindersocken. Die langen Fühler mit den Augen an den Enden erscheinen zuletzt.
Wo ist der Sinn verborgen? Hat die Schnecke noch ein anderes uns unbekanntes Sinnesorgan, das ihr die vorsichtige Vorausschau ermöglicht? Oder stürzt sie sich blindlings schnecken-langsam in mögliche Gefahren? Welchen Sinn kann es haben, sich zum Schutz in sein Haus zurückzuziehen wenn man es dann wieder verläßt ohne vorher aus dem Fenster gesehen zu haben.
Ist das Sicherheitsbedürfnis einer Weinbergschnecke weniger ausgeprägt als das eines Igels oder eines Menschen?
Hat sie überhaupt Bedürfnisse? Oder handelt es sich bei der Entwicklung des Schneckenhauses lediglich um einen evolutionären Faktor, der nur auf der Basis des Zufalls zum Vorteil gereichen kann - aber nicht zu einem möglichen maximalen Nutzen mit der Schnecke verlinkt ist. Und wenn das so ist - läßt sich über solche fehlenden Verbindungen die Grenze zwischen höheren und niederen Lebensformen definieren? Handelt es sich um dieselbe Grenze, die Wesen mit Bewußtsein von den Unbewußten trennt?
Dienstag, 2. Juni 2009
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